Gottfried Mayerhofer Himmelfahrtsfest - Gottfried Mayerhofer

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Das Himmelfahrtsfest
Da morgen das Fest Meiner Himmelfahrt gefeiert wird, und ihr dasselbe ebenfalls geistig feiern solltet, so will Ich euch einige Worte dazu sagen, damit ihr ganz begreift, was es heißen will, ein Fest zu feiern, das auf Mich Bezug hat, und ferner noch das Fest zu feiern, das der letzte Akt Meines Erdenwandels war, und wo Ich wieder dorthin zurückgekehrt bin, von wo Ich gekommen war!
Bevor wir zur eigentlichen Feier des morgigen Festes schreiten, und dessen Wichtigkeit für euch und die ganze Menschheit erörtern, wollen wir einen Blick überhaupt über Meine ganze irdische Laufbahn werfen, damit ihr dann erst recht erkennen und begreifen könnt, warum Ich Mein Weilen auf dieser Erde mit solch einer Handlung schloss.
Nachdem, wie Ich in einem früheren Diktat schon einmal erklärt habe, Ich Meinen Wandel auf dieser Erde und unter den Menschen Selbst als Mensch, angetan mit all seinen Tugenden, Schwächen und Leidenschaften Mich entschlossen hatte, allen Geistern in der Unendlichkeit nicht nur im Wort, sondern mit dem größten Beispiel voranzugehen, um ihnen allen zu zeigen, dass, was Ich von allen verlange, keine Unmöglichkeit ist, und jeder es vollführen kann, nämlich alle Eigenschaften, die ein Geist oder ein Engel, oder selbst ein Mensch haben kann, alle der Demut zu unterordnen; damals war schon die ganze Idee von Meiner Geburt, Meinen Lehren und von Meiner Kreuzigung und Himmelfahrt als Schluss Meiner Mission mit inbegriffen und beschlossen, sowie ebenfalls die andere Bestimmung, nämlich neben dem Beispiel für Meine Geister auch euch Menschen hier auf der Erde, nachdem ihr in Meiner Schule eben das geleistet habt, dem Ich als euer Meister Mich Selbst unterzog, zu Meinen Kindern zu erheben, die ungebunden, frei im ewigen Raum mit Mir regieren und neuschaffen sollen, eine Voraushabe und außerordentliche Gabe, die allen anderen Geschöpfen vorenthalten war, und nur unter der Bedingung auch ihnen zu Teil wurde, wenn sie sich ebenfalls als Erdmenschen hier einkleiden, euer bitteres Elend auf dieser Welt durchmachen, und zuvor aber auf alle Machtstellung Verzicht leistend, sich alles dessen unterziehen wollten, wie ihr Erdenbewohner alle euch demselben und ohne Murren unterziehen müsst. Dies war Mein Hauptzweck Meines Erscheinens auf eurer finsteren Erde! Wie Ich ihn vollführte, und auch dabei als Mensch den größten Leiden und selbst dem schmachvollsten Tod Mich unterzog, wisst ihr aus den Evangelien, und einige von euch wissen den ganzen Verlauf Meiner Lehrjahre, nämlich diejenigen, welche das Große Evangelium Johannes gelesen haben, soweit es von Meinem verstorbenen Knecht geschrieben wurde (das noch Fehlende davon, nämlich die Erweckung des Lazarus, ferner der Einzug in Jerusalem, Meine Leidensgeschichte, Meine Tötung, Auferstehung und endlich Meine Himmelfahrt, und was alles dazwischen gelegen, werdet ihr auch mit der Zeit noch genauer diktiert bekommen, wann es an der Zeit ist, sowie der Schreiber für dieses ebenfalls sich finden wird). Jetzt wollen wir nun, nachdem wir unseren Zweck wegen Meiner Erscheinung auf der Erde, deren Verlauf und Folgen bis auf eure Zeit mit kurzen Worten erwähnt haben, zum Schlussakt des Ganzen gehen, und nur einige Worte vorangehen lassen, was denn eigentlich es heißt, einen Akt wie immer im Andenken jährlich zu feiern, nicht wie er bei euch gefeiert wird, sondern wie ihr und jeder Mensch ihn feiern sollte.
Also zur Sache: Ein jeder Akt, sei es eigener oder fremder, der so gestellt war, dass er der eigenen Person oder dem Volk oder der Menschheit bedeutende Folgen hinterließ, weswegen es der Mühe wert war, sich seiner jährlich zu erinnern, muss ebenfalls eine gute oder große und wichtige Handlung gewesen sein, die entweder auf den einzelnen oder auf viele einen mächtigen Einfluss gehabt hatte. Man feiert bei euch wohl Dinge, wie Tage von Schlachten und Siegen, die aber oft dem Wohl der Menschen nicht viel Glück brachten, sie werden aber auch meist nur von denen gefeiert, die das Kriegen zum Handwerk und einzelnen Lebenszwecke gesetzt haben. Diesen und ihren Vergötterern lassen wir ihre Freude und gehen zu einer anderen Art von Taten über, nämlich zu solchen, die zu einer Wendung zum Besseren in der Lebensperiode eines einzelnen, eines Volkes oder der gesamten Menschheit beigetragen haben. Hierher gehören natürlich nur solche Taten, die von edel gesinnten Menschen schon längst angestrebt wurden, teils für sich selbst, teils für ihre Mitmenschen. Wenn also ein Mensch in seiner irdischen Laufbahn einen wichtigen Schritt getan hat, der mächtig auf all sein Tun und Wirken für das ganze Leben einwirkte, so ist es oft der Fall, dass er diesen Tag, wo selbes Ereignis eintrat, alle Jahre wieder in Erinnerung bringen und sozusagen ihn feiern will. So feiert beinahe jeder seinen Geburts- oder seinen Namens-, und wenn er nach Meinem Willen gelebt hat, in der anderen Welt auch seinen Sterbetag. Die meisten Menschen verstehen unter Feiern eines Tages, wo ein wichtiger Moment in ihrem Leben eintrat, nur, dass sie ihren Magen mehr als gewöhnlich mit Speisen anfüllen, und an dem Tag, so wie vielleicht einst viel, ja vielleicht das Meiste taten, nun jährlich gerade das Gegenteil tun, ihn mit Nichtstun beginnen und auch beschließen.
Wie sollte eigentlich ein Mensch oder ein Volk oder die ganze Menschheit den Tag feiern, den sie sich als Gedenktag für alle Jahre in den Kalender gesetzt haben? Seht, Meine lieben Kinder, wenn ein Tag wirklich so wichtig war, dass man sich desselben alljährlich erinnern will, so sollte man doch wenigstens daran denken, was brachte jener Tag. Wie waren die Verhältnisse, wie habe Ich die günstige Wendung in meinem Schicksal benützt, und wenn er erst heute statt vor vielen Jahren eintreten würde, wäre ich dessen würdig oder nicht? Alle diese Fragen sollten wohl überdacht werden, sei es bei Völkern oder der ganzen Menschheit, und das Resultat dieser Betrachtung sollte dann sein, dass wenn der einzelne wie die Völker, und die gesamte Menschheit findet, dass sie alle diese Gnade nie ganz gewürdigt haben, und so deren nicht wert sind, wenigstens den Vorsatz zu fassen, wenn der Tag im nächsten Jahr wiederkehrt, etwas besser vor dem Angesicht eines solchen wichtigen Moments dazustehen! Solch eine Feier sollte also erstens nicht den Freudengelagen, sondern ernsten Betrachtungen gewidmet sein, um doch wenigstens nicht umsonst mit dem Leben aller geistig Mir ähnlich werden sollenden Menschen sich ereignet zu haben! Solch ein Tag sollte mit einer Art Gewissenserforschung anfangen, wie vor der Beichte, dann die Reue über die begangenen Fehler darauf folgen, und endlich mit dem Vorsatz zur Besserung schließen. So viel über die gewöhnlichen Feiertage eines jeden wichtigen Lebensabschnittes; jetzt will Ich aber übergehen zu dem, den ihr morgen feiern wollt und ihr könnt euch schon vorstellen, dass wenn bei einzelnen Menschen oft nichtssagende Momente ihres Lebens gefeiert werden, weshalb Ich euch eben sagte, wie selbe gefeiert werden sollten, was dann da zu tun ist, wenn ihr eine Feier begehen wollt, die Mich und Meinen Erdenwandel zur Basis hat, wo ihr alle wisst, dass Mein Erscheinen auf der Welt dem einzelnen, wie den Völkern, und endlich der ganzen Menschheit ewig und ewig fortwirkend auf ihr ganzes Tun und Lassen einen dauernden Einfluss hat!
So, wie Ich Meine ganze Aufgabe für Meine dort und künftig lebende Menschheit gelöst wusste, so musste Ich doch wegen der Bekräftigung des Glaubens Meiner Jünger und Apostel wieder einen Akt bewirken, noch größer als Meine Auferstehung vom Tod, der Meine wirkliche Herkunft von dort bezeugen sollte, von wannen Ich gekommen war. Ihr wisst aus den Evangelien, wie die Himmelfahrt bewerkstelligt wurde, sie geschah, nachdem Ich zuvor allen in verschiedenen Ländern weilenden Jüngern und Gläubigen durch Meine persönliche Erscheinung Mein göttliches Ich vergewissert, und sie alle getröstet und belehrt hatte, damit sie standhaft ertragen möchten, was dann in der Zeitenfolge über sie hereinbrechen würde; und nachdem Ich alle fest und mutig hinterließ, berief Ich Meine Jünger, und außer ihnen nur einzelne andere auf einen hohen Berg, und nachdem Ich ihnen noch die besten Lehren und Meinen Segen gegeben hatte, erhob Ich Mich und fuhr gen Himmel, sie alle, wenigstens sichtbar, verlassend. Nun, dieser wichtige Moment, der Meine Göttlichkeit am meisten bezeugt, indem Ich da nicht als Mensch mit Fleisch und Knochen, sondern ganz vergeistigt wieder in Meine Himmel zurückkehrte, so war es der wichtigste und stärkste Probierstein Meiner Lehre, dass Der, welcher sie lehrte und mit Seinem Leben bezahlte, nicht bloß ein von Gott begeisterter Mensch, ein Prophet oder sonst etwas gewesen, sondern dass Er wirklich Gott, der Herr und allmächtige Schöpfer war, der es in Seiner unerklärlichen Gnade gewollt hat, zu euch Menschen herab zu steigen und nun, nachdem sie ihres Seelenadels und ihrer geistigen Abkunft von Mir sich bewusst wurden, und in Meiner Lehre anfangen werden, erst „Menschen“ nach Meinem Sinn zu werden, sie es auch von nun an begreifen sollten, wer sie dies alles gelehrt und ihnen gepredigt hat!
Nachdem nun dieser Akt, als der letzte und höchste Meines irdischen Lebenswandels für euch der wichtigste war, so muss auch natürlich seine Feier ebenfalls so gestaltet sein, dass sie sich dem Akt anschließen kann! Nun, Meine lieben Kinder, wie solltet ihr eigentlich diesen Akt feiern? Seht, das ist mit wenigen Worten leicht gesagt: Meine Himmelfahrt ist der Heimgang in Mein ewiges Reich, nun solltet ihr bei Meinem Heimgang daran denken und das zwar täglich und jährlich, dass der eurige einst folgen wird, und wie ihr dort im Jenseits ankommen werdet! Wie Ich mit dem Bewusstsein der Vollendung Meiner Mission im strengsten Sinn nach Meinem ewigen und unumstößlichen Plan, so solltet auch ihr euren Heimgang stets vor Augen haben, und besonders an diesem Tag so recht als Feier dieses Moments, nämlich Meiner Himmelfahrt, euer Leben im Stillen durchgehen und fragen: „Habe auch ich meine Mission vollführt, und wenn ich heute heimgehen müsste in das Reich der Ewigkeit, wie stünde ich da vor dem Richter derselben, vor Meinem Vater, der aus unbegreiflicher Gnade einst so viel litt, und zwar für wen? Für mich, und wie habe ich all Seine Liebe und Gnade belohnt? Leider mit leichtem Darüber-Weggehen Seiner heiligsten Lehren, mit Hintansetzung Seiner liebevollsten Worte, und heute, am Heimgang meines allerliebsten Vaters, der eben durch diesen Akt von heute einst meine Kindschaft durch Sein Blut besiegelnd mir erst die Würde eines Menschen gab, deren die Menschen sich nie bewusst geworden, und deren ich jetzt lebend nie teilhaftig hätte werden können, muss mir dieses alles ganz besonders lebhaft vor Augen sein.“
Seht, Meine lieben Kinder, wäre Ich nicht dort auf eurer Erde erschienen, wo wäre eure Zivilisation, wo jede edle Tugend geblieben, die jetzt in so manchem Herzen seinen Adel ausmacht, wo wäre die ewige, milde, christliche Lehre geblieben, die Ich der Menschheit dort gepredigt, und die obwohl verstümmelt durch Eigennutz und Herrschsucht einzelner, doch sich nicht mehr aus der Welt verwischen lässt, und stets der Grundstein alles friedlichen Beisammenlebens und die Richtschnur für alle gerechten und ungerechten Taten sein wird?
Wenn ihr alles dieses an dem morgigen Tag so recht bedenkt, so nehmt doch wenigstens den Vorsatz in die Zukunft mit euch: „Ja, Vater, ich sehe, Deine unendliche Huld und Liebe in diesem letzten Liebesakt, den Du auf Erden zwischen uns Würmern begangen hast, ich sehe, wie wenig ich diese Gnade verdiene, denn wo ist das Wesen, das solche Opfer von Deiner Seite beanspruchen sollte, um seines eigenen geistigen Wohlbefindens halber? Ich will diesen Tag in stiller Betrachtung feiern, will mich Dir und Deiner ganzen Lehre hingeben, will mein Herz erforschen und alle Winkel desselben aufsuchen, um alle Fehler zu entdecken, damit ich Hand anlege an die Reinigung desselben und so bereit sei, im Fall meines Heimganges zu Dir, wenigstens soweit es meine schwachen Kräfte erlaubten, das getan zu haben, was mich, wenn auch nur einen Schritt näher zu Dir geführt haben möchte! Vater, lass in jedem Jahr, wenn diese Feier von der ganzen Christenheit auf Erden und von Deinen Geistern in den Himmeln als Freudentag gefeiert wird, auch mir die Gnade angedeihen, dass ich weiter in meiner Besserung vorgerückt bin, um einst auch bei meinem Heimgang, wenn nicht so wie Du, jedoch so rein als ein Menschenkind hier auf dieser Erde werden kann, in Deinen Himmeln ankommen möge.“
Wenn ihr, meine lieben Kinder, diesen Meinen Heimgangstag in dieser Weise feiern werdet, dann auch wird euch klar, von einem Zeitabschnitt zum anderen, was ihr zu tun habt, und um wie viel ihr von eurer Mission zurück geblieben seid, das zu werden, was Ich euch täglich zurufe, d.h.: „Trachtet, Meine Kinder zu werden! Trachtet euch würdig zu machen der Opfer, die Ich für euch gebracht habe, um Meiner Liebe zu genügen, die euch stets mehr und mehr an Mein Vaterherz ziehen möchte!“
So feiert diesen Tag, er ist wie euer Geburtstag und einst der erste Geburtstag zu einem besseren, und zwar ewigen Leben, wo dann kein Tod und Verwesung eure Tätigkeit und euer Wirken unterbricht, wo ihr im Glanz und ewigen Licht all Meiner Sonnen und großen Engelsgeister bei Durchschauung aller der Schönheiten Meiner weiten Schöpfung Den erst ganz erkennen werdet, Der euch schon so lange mit liebendem Herzen und Händen geführt hat, damit ihr den einmal betretenen Weg nicht mehr verlieren mögt, der nur allein zu Meinem Vaterherzen führt! Dies sagt euch der einst Heimgegangene und jetzt Wiederkommende, Der euch den Heimgang zeigen und mit Seinem Segen erleichtern will! Amen! Amen! Amen!


Quelle: Karwoche-Betrachtungen in sieben Worten, Neu-theosophische Schrift Nr. 32a, Kundgabe vom 25. Mai 1870


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