ENDZEIT
Der Zeitgeist in der Musik
Aus einem Brief von Gottfried Mayerhofer: Da ich eben über Musik schreibe, so will ich Ihnen auch mitteilen, was der Herr erst vor Kurzem mir auf eine Frage über die Wagner'sche Zukunftsmusik gegeben hat. Es war auf einsamem Spaziergang, als ich so in mir fragte, warum denn diese Musik Zukunftsmusik heißt, und ich folgenden Bescheid erhielt:
Sieh, Mein Kind, alles, was auf der Welt vorgeht und im materiellen Leben, in welches oft auch geistige Faktoren mit hinein gezogen werden, hat seine analoge Ähnlichkeit, so zwar, dass alles wohl zusammenpasst. Wie eine jede Generation geistig beschaffen ist, so ist der Ausdruck ihres materiellen Lebens das getreue Bild davon. Pflanzen, Tiere und Menschen gehen alle den gleichen Stufengang; erstere werden veredelt oder eigentlich verdorben, je nach dem geistigen Schritt der Menschheit selbst.
Die Menschen wie sie größtenteils sind, sind materiell, trivial und geistlos geworden; ihre Erfindungen, Bestrebungen haben zumeist nur niedrige, sinnliche, materielle Zwecke zum Grund, und ebendeswegen, da die jetzigen Musiker eben ihrem Zeitalter gemäß leben und dichten, so wird auch ihre Musik dieser Richtung genau anpassend sein; denn nur solche geistige Produkte können sich bei der allgemeinen Geistesstimmung erhalten, die mit dem Geschmack des jetzigen Menschengeschlechts harmonieren.
Ist nun die Menschheit verdorben, sinnlich und materiell geworden, so kann auch die Musik, die ihnen gefällt, ebenfalls nicht anders sein; denn wäre sie nicht so, so würde sie nach erster Anhörung der Vergessenheit anheimfallen, wie z.B. Musikkompositionen heute nicht mehr ansprechen, welche einst in tiefer Begeisterung und im Aufblick zu Mir gedichtet wurden. Die Menschheit also, so wie sie ist und noch werden wird, verdient keine andere Musik, als eine Ohren zerreißende, als eine Folge von Disharmonien; birgt ja ihr eigenes Herz auch kein anderes Produkt mehr als ein Konglomerat von Widersprüchen, materiellen Ansichten und verdorbenen Bedürfnissen. So passen eure schlechten neuesten Musikdichtungen ganz zu dem Geschmack der jetzt lebenden Welt und charakterisieren sie, denn nur solchen Menschen kann solches Produkt Beifall abgewinnen.
Hier hast du diese Antwort zum zweiten Mal wieder, damit auch Meine Kinder erfahren mögen, was Ich von den Ausgeburten verdorbener Geister denke, die viel dazu beitragen, sich selbst und die Menschheit von dem Weg abzulenken, auf welchen Ich sie zum besseren Verständnis Meines Ichs, Meiner Schöpfung und Meiner ihr geschenkten Gaben bringen möchte.
Wann der Unfug auf den höchsten Gipfel getrieben sein wird, dann wird die Zukunft wohl noch eine andere Musik auftischen, die zwar Meine Kinder nicht, wohl aber alle frechen Gottesleugner unangenehm berühren wird.
Bis dorthin nur Geduld, wer's erlebt, der wird seinen himmlischen Vater auch in den größten Misstönen als Vater der Liebe und des Friedens erkennen, und die anderen werden mit Schauder gewahr werden, wie weit sie alle vom Schönen, Erhabenen entfernt, bis ins Triviale, Gemeine herabgesunken sind, wo nur der schlechteste Geschmack an solchen Geistesergießungen noch Freude haben konnte.
Dieses für deinen Bruder, der stets daran denken soll, dass mit jeder Note, welche er der vibrierenden Saite entlockt, ein Geistespartikel aus höherer Welt durch sein Ohr bis in sein Herz dringt und ihm zuruft: Vergiss des Vaters nicht, Welcher in einem einzigen schwellenden Ton dir eine Masse von Seligkeiten ins Herz gießen kann, die dir zu ersetzen die ganze materielle Welt nicht im Stande ist. So viel für heute mit Meinem Segen. Amen.
Quelle: „Kennzeichen unserer Zeit“, Neu-theosophische Schrift Nr. 43, Kundgabe v. 30. März 1873