Gottfried Mayerhofer Religion der Zukunft - Gottfried Mayerhofer

Direkt zum Seiteninhalt
ENDZEIT

Die Religion der Zukunft
Die neue Religion also, welche wieder auf Erden einziehen soll, ist und muss die der Liebe sein, daher predigt überall die Liebe, zeigt allen, dass Liebe der Urgrund aller Schöpfung ist, dass Liebe im geistigen Sinn auch übers Grab fortdauert, ja noch intensiver und geistiger wird, und ihr werdet sehen, eure größten Feinde und Widersacher werden euch nicht widerstehen können, um so mehr, wenn sie sehen werden, wie ihr nicht allein anderen Liebe predigt, sondern sie selbst durch Taten bezeugt.
So wird die Zukunftsreligion werden. Die Menschen werden sich bessern, selbst das Tierreich wird friedlicher gegen euch gesinnt werden, wenn es euch wohl als Herren dieser Erde ahnend, aber nur als liebende und nicht gefräßig sie verzehrende erkennt.
O Meine Kinder, es war eine Zeit, wo Liebe so herrschte auf dieser Erde, wo der Tiger und Löwe an den Menschen sich schmiegten; allein kurz war sie, diese Zeit, die menschlichen Leidenschaften verfinsterten das Gemüt, und verfinstert wurde auch der geistige Blick des Menschen und verlor seine geistige Kraft; die unter dem Menschen stehende Tierwelt, ja selbst die Elemente traten feindlich gegen ihn auf, und der, den Ich zum Herrn dieses kleinen Erdballs schuf, wurde ihr Knecht und ist es noch.
Dieses Eden, dieses Paradies wieder zu erreichen, dazu ist euer Leben zu kurz, aber es anzubahnen, dieses soll euer Zweck, euer Lebensberuf werden.
Nur, wollt ihr ihn erreichen, müsst ihr, wie Ich es euch sagte, mit eurem Ich selbst und dann mit der materiell euch umgebenden Welt zuerst anfangen; werdet zuvor Menschen, moralische, geistige Menschen, erhebt euch über die Kloake der Sinnlichkeit und der weltlichen Interessen; steht frei, ruft mit Mir aus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Nur dann werdet ihr Anhänger eurer Lehre, die die Meinige ist, finden; nur dann wird euch ein Erfolg gesichert sein, und eine Vergeltung der erfüllten Pflicht im anderen Leben eine geistige Stellung einräumen, die nur auf diesem Weg in so kurzer Frist zu erringen ist.

Quelle: „Kennzeichen unserer Zeit“, Neu-theosophische Schrift Nr. 43, Auszug aus der Kundgabe v. 31. Mai 1874



Fortsetzung:

Es wird kein Kultus mehr nötig sein, welcher die Menschen in steinerne Häuser, bei euch Kirchen oder Tempel genannt, versammelt, sondern die freie unbegrenzte Natur, alles Umgebende, Sichtbare, vom kleinsten Atom bis zum letzten Stern des entferntesten Nebelflecks wird der Lehrmeister sein, welcher aufmerksame Beobachter vom Materiellen zum Geistigen führen wird, dann werden auch Meine Worte, wie du gestern deinem Bruder schriebst, erst ganz aufgefasst werden, die Ich einst sprach und in allen Jahrhunderten bis auf heute den Menschen verkünden ließ, dass, wer Mich anbeten will, Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten muss. Denn Ich bin ein Geist, und geistig beten heißt, fühlen, wie in allem Gottes Geist verborgen ist, fühlen, wie Er Seine Liebe in alles hineingelegt hat, fühlen, wie nur mit und durch Liebe eine jede Welt, ein jeder Aufenthalt und eine jede weltliche Lage zum Paradies werden kann, fühlen, dass es nur die Liebe ist, welche alles erhält und das größte Gut eines menschlichen Herzens ist, wenn jedes vorerst gegen seine Umgebung, sei es Mensch oder Tier, gemäß seiner eigenen Abstammung pflichtmäßig selbe ausübt, und so erst Gottes Liebe recht begreifen und erfassen kann, was in den zwei Liebegesetzen enthalten ist, nämlich die ganze sicht- und unsichtbare Schöpfung, denn ohne Liebe wäre sie nicht entstanden und ohne Liebe könnte sie nicht fortbestehen.
Ohne Liebe wäre es nicht möglich gewesen, alle großen Gräuel und Verirrungen auf eurer Erde so langmütig hingehen zu lassen, ohne Liebe wäre es nicht denkbar, dass Ich, der höchste Herr, zu euch verirrten Kindern so rede, wie Ich es eben tue.
Ohne Liebe gibt es kein Vertrauen, kein Zutrauen und keinen Trost. Allein der Gedanke, Liebe kann nicht strafen, erhebt auch den Tiefgebeugtesten, es durchströmt eine sanfte Wärme sein Herz bei solchen Gedanken, und wenn er erst noch die ganze Natur verstehen lernt, wie alles Liebe atmet, wo selbst unter mannigfachsten Widersprüchen doch nur Liebe wirkt, dann wird sich jeder einer Religion, eines religiösen Bekenntnisses bewusst sein, welches ihn in allen Fällen leiten und führen wird, keine Fürsprecher bei seinem göttlichen Vater benötigt, und welches auf Erden hier als nächster Richter nur sein eigenes Gewissen, und dann, des sanften, stets Sich gleich bleibenden Vaters über ihm eingedenk, eine Religion begründen wird, als die einzige, die von Mir gepredigt und von euch befolgt, die Religion der Zukunft ausmachen soll.
Wenn nach allen Verirrungen des menschlichen Geistes, nach allen bitteren Erfahrungen, welche die Menschen durch eigenes Gebaren sich zugezogen haben, sie endlich erkennen werden, dass es umsonst ist, gegen göttliche Gesetze sich zu sträuben, Gesetze, welche keine ehernen, sondern sanfte Liebesbande sind und sein sollten, so wie sie zwischen Vater und Kind die einzigen des ewigen Friedens sind; dann wird Meine Rückkehr auf eure Erde, welche mit Ungeduld die Guten erwarten, und wo Ich als einziger Hirt alle Meine Schafe um Mich versammeln will, erfolgen, wo Ich dann alles zu dem ihnen bestimmten Ziel führen werde.
Dieses wird die Religion der Zukunft sein, nicht wie einer oder der andere selbe in seinem Kopf ausgehegt hat, sondern kosmopolitisch, d.h., Weltbürger müsst ihr Menschen dann alle werden; aber nicht eurer Welt oder kleinen Erde nur, sondern unter Welt müsst ihr die gesamte sicht- und unsichtbare Schöpfung verstehen, welcher ihr als Lebende oder Gestorbene stets angehört, und wo in der anderen nur die Fortsetzung der hiesigen ist, die von Stufe zu Stufe euch vorwärts führt zu echt geistigem Religionskultus, wo aber statt tausend gedankenlos gesprochener Worte ein Blick in Mein Universum genügt euch begreiflich zu machen, was Ich bin und was ihr auch werden könnt und sollt.
Du schreibe deinem Bruder: Die Religion der Zukunft kann sich nie in einem Kultus aussprechen, denn jede Zeremonie, jedes andere sichtbare Bildungsmittel ist zu wenig, zu klein, um dem aufwärts strebenden Geist des Menschen ein schwaches Bild, eine schwache Idee seines Schöpfers zu geben. Die Religion der Zukunft braucht größeren Maßstab, sie muss alles Erschaffene in sich begreifen und verstehen lernen, muss, wie Ich oben gesagt, vom letzten Stern bis zum kleinsten Atom alles in sich schließen; diese Kirche muss ein Altar und Verehrungsort sein, wo aus Millionen von Wesen in jeder Sekunde der Jubel über ihre Existenz als Gebot dem Herzen entströmt, und wo selbes nie aufhören wird, solange ein geistiges Fortschreiten möglich ist.
Zu klein sind alle eure Kirchen und Dome; eure Gebräuche derselben mögen noch so viele Darstellungen sein, sie reichen nicht aus, wo Verständnis Meiner Natur obwaltet, und wo es keine angeblichen Sammelplätze braucht, um den Menschen zu geistiger Erhebung über sein Weltliches zu ermahnen.
Der Mensch muss in freier Natur seinem Schöpfer gegenüber sein, Ihn in allem erkennen und fühlen, muss sich der Abstammung sowohl als seiner geistigen Mission bewusst sein, klar begreifen, welcher Welt Bürger er ist, dann fallen alle Schranken einseitiger Religionsbekenntnisse und Religionsgebräuche, welche nur Menschen erfunden haben, um aus der Leichtgläubigkeit oder Dummheit anderer Nutzen zu ziehen.
Den Menschen erschuf Ich als Herrn von der Welt, als Herr muss er sich fühlen, als Herr muss er aber handeln, eingedenk seiner Kindschaft und eingedenk der ewigen Liebe, die ihn nicht umsonst mit solchen geistigen Eigenschaften ausgerüstet hat, sondern die bei diesem Gnadengeschenk es ihm zuteilwerden lassen wollte, ein freier Herr seiner Handlungen, aber doch auch ein gebundenes Wesen seines Gewissens zu bleiben, welches nie anders reden wird als den Liebegesetzen gemäß. So muss der Mensch die Religion im Herzen tragen, die von allem von der Außenwelt ihm Gebotenen durch die innere seines eigenen Ichs wieder weit über das Sichtbare hinaus zu Dem führen soll, Der einst in Menschengestalt die großen Liebegesetze verkündet hat und durch sie die Menschen zu Menschen und nach deren Befolgung zu Seinen Kindern erziehen wollte.
Dieses allgemeine Bestreben, nach diesen Gesetzen zu leben, sie überall zu entdecken und so fort und fort aufwärts schreitend das große Endziel anzustreben, dieses ist die Religion der Zukunft, aber nicht allein die Religion dieser kleinen Erde, sondern des ganzen Universums und der großen Geisterwelt.
So fasst ihr es auf, nicht nach beschränktem Maß, sondern groß, wie Ich dem Menschen den göttlichen Funken einhauchte, groß, wie Ich den Menschen dadurch zum Weltbürger Meines Staates machte, wo ewig keine Sonne untergeht, sondern stets die geistige Meines eigenen Ichs allen leuchten wird, die geistige Augen, deren Strahlen aufzunehmen, einst mitbringen werden. Amen.

Quelle: „Kennzeichen unserer Zeit“, Neu-theosophische Schrift Nr.43, Auszug aus der Kundgabe v. 12. Februar 1876


Zurück zum Seiteninhalt