Gottfried Mayerhofer Glaubenserziehung - Gottfried Mayerhofer

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EHE UND FAMILIE

Ein Wink zur Glaubenserziehung
jüngerer Seelen
Nachdem du soeben den Brief deiner Schwester Johanna gelesen, wo sie den leisen Wunsch ausdrückt, einige Verhaltungsregeln zu erhalten, wie sie sich benehmen sollte wegen des ihr anvertrauten Mädchens, so will Ich dir einige Zeilen für sie diktieren, damit auch sie ganz klar begreift, wie man eine Seele für Mich gewinnen kann, und wann es an der Zeit dazu ist.
Vor allem wollen wir die Sache im Allgemeinen betrachten, und dann auf diesen Fall speziell übergehen, da in Bezug auf die Individualität und Erziehung jedes einzelnen Menschen auch die Mittel verschieden sind, die angewendet werden müssen, um einen oder den anderen für Mein Reich zu gewinnen.
Im Allgemeinen gelte euch allen die Regel, dass wer euch nicht darum angeht und euch bittet um Brot, dem sollt ihr keines reichen, denn nur der Hungrige weiß das Brot zu schätzen.
Der nie den Hunger verspürt hat und um höchstens aus Gewohnheit etwas zu essen verlangt, um teils die Zeit mit dieser Beschäftigung zu vertreiben, oder teils auch, weil er eben vom Brot reden hörte, und nun auch welches verlangt, für solche Gelegenheitsesser ist Mein himmlisches Brot nicht.
Mein Brot ist für solche, die alle andere Kost versucht und nirgends die eigentliche Sättigung gefunden haben, und nun suchend herumziehen, hoffend vielleicht doch bei beharrlichem Suchen das eigentliche Brot oder geistige Nahrungsmittel zu finden, nach welchem es sie so sehr gelüstet hat, ohne auch nur einen eigentlichen Begriff davon zu haben, wie dieses Brot ausschaut, und wie es vielleicht schmecken wird.
Solchen Menschen helfe Ich dann auch öfters um ihr Suchen ihnen zu erleichtern, und lasse ihnen auch selbes durch Meine Führung von einem oder dem anderen Meiner Kinder mit der Zeit verabreichen, wonach sie sich so lange gesehnt haben.
Kommt also jemand zu euch, der euch mit wenigen Worten kund gibt, warum er zu euch gekommen, dann versteht ihr schon wohl, dass Ich selben geschickt habe, und diesem gebt, was euch auf die nämliche Art von Mir gegeben worden ist. Ihr werdet sehen, mit welchem Heißhunger solche Seele diese lebendige Speise annehmen wird, und daran erkennt ihr auch sogleich, dass diese Brüder oder Schwestern gewiss, wenn gleich Meine Wege nicht die glattesten sind, doch selbe wenn einmal betreten nicht mehr verlassen werden.
Aber jedem, der aus anderen Absichten oder auch vielleicht aus gar keiner Absicht als höchstens aus Neugierde es begehrt gleich Mein göttliches Brot anzubieten, ohne dass er einen Drang danach fühlt, das ist verlorene Mühe, und hier heißt es, wie Ich einst zu Meinen Aposteln sagte, ihr sollt Meine Lehre nicht den Schweinen vorsetzen.
So viel im Allgemeinen; jetzt wollen wir auf deine Frage im einzelnen wegen deiner Schwester übergehen. So lasse Ich ihr sagen, sie soll das Vorgehende wohl überdenken, und prüfen inwiefern das ihr anvertraute Mädchen wirklich Hunger oder nur Neugierde hat.
Da ein weibliches Gemüt leicht alle Eindrücke auffasst, die guten wie die schlechten, und höchst selten deren Wirkung, besonders bei einem jugendlichen Gemüt, von langer Dauer ist, so soll deine Schwester wohl sehr besorgt sein um diese schönen Eindrücke, welche Mein Wort bei allen zurücklässt, welche es mit Verständnis, d.h. ohne Vorurteil lesen, dass diese Eindrücke nicht so leicht sich verwischen möchten; und sie soll trachten, selbe von Zeit zu Zeit durch einzelne hingeworfene Worte voll Sanftmut und Liebe wieder aufzufrischen und dem jungen Mädchen vor allem eine Leidenschaft in ihrem Herzen anzuzünden suchen, nämlich die Liebe zu Mir; wird diese einmal angefacht und glühend, so ist der größte Punkt schon gewonnen.
Dann ist das Nächste, diesem jungen Mädchen den Weg zu zeigen, sich in diese nie versiegende Quelle aller Seligkeiten zu vertiefen, und zwar durch das Lesen Meiner Worte, die Ich schon seit mehreren Jahren für euch und für die ganze Menschheit habe schreiben lassen.
Nur wenn die Liebe zu Mir so recht angefacht ist in einem Herzen, dann wünscht die Seele, die Mich liebt, auch nur mit Mir oder von Mir zu sprechen, und sich so fortwährend mit Mir zu unterhalten.
Ist dieses Stadium in einer menschlichen Seele eingetreten, dann verliert auch die Welt nach und nach ihren Reiz; die sonst so verlockenden Dinge, die dem Menschen und besonders den Mädchen auf ihrer Lebensbahn so viel Kampf kosten um ihnen zu widerstehen, gehen dann unbeachtet vorüber, weil ihr Herz nicht an ihnen, sondern nur an Mir hängt.
Das ist also das eigentliche und Hauptmittel um von Meinen Wegen nicht abzuweichen; Mich in aller Glut und Stärke zu lieben, dann tut man auch leicht was Mir wohlgefällt, und in dieser Liebe sind dann auch alle Gebote inbegriffen, als wie das Gebot der Nächstenliebe, und auch die übrigen von Moses an euch alle überlassenen.
Gelingt deiner Schwester das, dass sie das junge Mädchen für Mich allein begeistern kann, so ist alles andere leicht, und um zu dem zu gelangen, soll sie so oft als möglich das Gespräch auf Mich, auf Meine ewig gleiche Liebe und Barmherzigkeit lenken, soll ihr die Nichtigkeit aller irdischen Freuden so klar als tunlich darstellen, soll ihr sagen, ja, die Welt hat Annehmlichkeiten und Reize, denn sie ist vom Herrn für uns Menschen zu einem schönen Wohnort erschaffen worden, aber die Menschen haben alles durch ihren Eigennutz und ihre Genusssucht verkehrt; statt den ewigen Frieden zu genießen, ist nur Trübsal und Leiden, denn selbst die reinste Freude weltlich genossen, lässt einen widrigen Nachgeschmack zurück. Wer die Freuden, wie z.B. die der Natur, in geistiger Hinsicht genießen will, der wird auch dort den Vater finden, denn Er spricht, wie aus den schweren Gewitterwolken ebenso aus dem leisesten Gezirp einer Grille stets die nämliche Sprache zum menschlichen Herzen; Seine Worte sind doch überall nur Liebe und Vertrauen einflößend, während alle Vergnügungen entweder nicht dauernd beglücken und zufrieden stellen, und aber auch wenn sie von Menschen den Menschen bereitet, meistens andere Zwecke verbergen, die, wenn der oder die Betrogene selbe erkannt, meistens wenn es zu spät ist, eine traurige Vergangenheit für die Zukunft hinterlassen und einen immerwährenden Nagewurm.
Alles dieses soll deine Schwester dem jungen Mädchen gelegentlich vorstellen, und dadurch ihr beweisen, dass alles trügt und keinen andauernden Halt hat, nur die Liebe zu Mir bleibt sich gleich, weil selbe zu Mir als Gott und Schöpfer nicht weltlichen, sondern himmlischen Ursprungs ist.
Jetzt glaube Ich, habe Ich deiner Schwester so deutlich als möglich gezeigt wie sie es anstellen soll, die aufblühende Blume für Meinen Garten zu gewinnen.
Es sei ihr übrigens gesagt, schwer wird es sein, und das junge unerfahrene Mädchen wird noch manche traurige Erfahrung machen müssen, bis sie einsehen wird, dass alles was deine Schwester ihr einst gesagt und sie selbst in Meinen Büchern gelesen hat, nur die einzige und bleibende Wahrheit ist. Allein das Führen auf ihrer Lebensbahn lasse sie Mir über, sie tue nur das Ihrige und soll versichert sein, Mein Segen wird dabei nicht unterwegs bleiben! Amen.


Quelle: „Allgemeine und besondere Lebenswinke für innere und äußere Verhältnisse und Zustände“, Neu-theosophische Schrift Nr. 39, Kundgabe v. 20. Juni 1870


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