EHE UND FAMILIE
Ein Wort an deine weibliche Gesellschaft
Nachdem unter deiner kleinen Gesellschaft gerade die Schwestern es sind, die langsam in der Erkenntnis Meines Worts und aber noch langsamer in der Ausübung desselben vorwärts schreiten, so will Ich dir einige Worte an sie geben, damit auch sie wissen, woran sie sind, und wo es ihnen fehlt.
Seht, Meine lieben Kinder, eure Lauheit in religiösen Dingen, so wie Ich möchte, dass sie von allen aufgefasst würden, kommt hauptsächlich davon her, weil ihr alle noch zu sehr an der Welt hängt, euch nicht losreißen könnt von dem nichts haltigen Eifer, euer Äußeres so viel als möglich zu zieren, wo im Ganzen die älteren die eifrigeren sind, indem sie durch Putz ersetzen wollen, was das Alter ihrem Körper versagt. Zweitens, ein noch härterer Stein der Überwindung ist eure Zunge, das ewige Bekritteln anderer und selbst Freude daran haben, Fehler an anderen und Schwachheiten an ihnen zu entdecken, selbe dann, meistens mit einer Schadenfreude, mitzuteilen. Dieses sind zwei, nicht Tugenden, sondern Hauptfehler des ganzen weiblichen Geschlechts, sie sind die Schwestern der zu hoch gespannten Eigenliebe und heißen Modesucht und Neid.
Die Eigenliebe, als Ich sie dem Adam nahm, und selbe als Weib ihm zur Seite stellte, hatte den Zweck, sich selbst zuerst zu läutern, sodann ihrem Mann oder Lebensgefährten seine irdische Laufbahn zu versüßen und zu erleichtern, und so auf diese Weise wohl etwas fremdartig ihm gegenüberstehend, doch am Ende geläutert und gereinigt sich mit ihm einst geistig vereinigend ein Ganzes auszumachen.
Es ist aber leider das Entgegengesetzte geschehen. Jetzt, statt den Männern ihr Los zu versüßen, herrschen sie, und die Männer müssen gehorchen, und so ist die verkehrte Ordnung entstanden.
Es ist auch in dem Charakter der Jetztzeit im Allgemeinen das Nämliche geschehen, statt Duldung, Demütigung und Verleugnung seiner selbst ist beim Weib jetzt vorwiegend die Intoleranz, Eifersucht, der Stolz und die Herrschsucht.
Wenn ihr auch nicht glaubt, dass in euren Herzen solche Leidenschaften regieren, so muss Ich es euch doch sagen, sie sind dort, nur ihr bemerkt sie nicht. Ich will euch mit kurzen Worten darauf hinweisen. Ich frage vorerst, warum wendet ihr so viel Aufmerksamkeit auf euren Anzug, auf die Verzierung der äußeren Seite eures Körpers, auf das sorgfältige Verdecken von allenfallsigen Mängeln, und auf das Zurschautragen vor aller Welt dessen wovon ihr glaubt, dass ihr es besser und schöner habt als andere eures Geschlechts? Seht, weil ihr herrschen wollt, ihr wollt euch höher stellen, als ihr wirklich gestellt seid, ihr wollt euch bewundert, beneidet wissen.
Es steckt also hinter dieser Putz- und Verzierungssucht der Stolz, der Neid und die Eifersucht, sobald ihr eingestehen müsst, dass eine andere schöner gekleidet und besser von der Natur selbst bedacht ist.
Warum gefällt euch allen so sehr das Aufzählen der Fehler anderer? Seht, weil ihr glaubt, durch das Herunterziehen der Achtung einer anderen die eure hinaufzubringen. Wieder ist es der Stolz, wie einst der Pharisäer im Tempel betete und sagte, Herr, ich danke Dir, dass ich nicht bin ein solcher, wie dieser da. Es ist wieder das Mehrseinwollen, als ihr wirklich seid. Nun legt eure Hand auf die Brust, und fragt euch selbst, erstens, denkt ihr daran, wenn ihr euch anzieht, euren Körper bloß anständig zu bekleiden, oder denkt ihr daran gewisse Reize oder Formen mehr bemerkbar zu machen?
Wenn ihr von anderen sprecht, von ihren Fehlern, ihren Mängeln, denkt ihr mit Mitleid an solche verirrte Schwestern? Lockt es euch vielleicht Tränen des Mitgefühls in eure Augen, weil ihr bedauert, dass diese oder jene nicht die rechte Ansicht von sich und der Welt hat, und eben deswegen sich und der Welt bittere Stunden bereiten muss, oder ist es nicht vielmehr Schadenfreude, die eure Zunge bewegt, wo ihr sodann Meinem Gegner mehr frönt, als Mir? Fragt euch nur selbst, ob Ich nicht Recht habe.
Seht, unter solchen Umständen kann ja Meine Lehre in euren Herzen keinen Platz finden, wo so viel Entgegengesetztes darin wohnt; und da Ich gerade das Gegenteil will von dem, was euch besonders gefällt, so ist es auch für euch bedeutend schwerer, selbst auszumerzen, was euch am Fortschreiten hindert.
Wie Ich es in einem Wort an Meine liebe Tochter H. erst vor Kurzem sagte, es ist die alte Eva, die euch noch gefangen hält, und die auszuziehen den meisten von euch die rechte Willenskraft fehlt. Daher die Lauheit im Anhören und der Widerwille gegen die tatsächliche Ausübung Meiner an euch gespendeten Gnadenworte.
Seht, solange ihr nicht den Dingen den Wert beizulegen lernt, welchen sie eigentlich haben, sondern mehr Wichtigkeit in selbe heineinlegt, solange ihr die Mittel als Zweck betrachtet, solange seid ihr nicht am Weg zu Mir, sondern am Weg von Mir.
Solange euch euer Anzug so in Anspruch nimmt, dass ihr, wenn jemand bei selbem euch stören würde, denselben kaltblütig, Ich weiß nicht wohin, verwünschen und verdammen könnt, solange steckt noch kein Funke göttlicher Liebe in euch, sondern ein ganzer Feuerbrand von Eigendünkel, Stolz und Herrschsucht.
Einst sagte Ich auf eine Frage der Pharisäer, gebt dem Kaiser was des Kaisers, und Gott was Gottes ist. Das lässt sich auch auf euch anwenden.
Gebt eurem Anzug nur die Wichtigkeit, die er erheischt, zwar dem Zeitgeist gemäß, jedoch nur anständig und bescheiden gekleidet einherzugehen. Zieht die Kleider wegen eurem Ich an, und vergesst euer Ich der Kleider wegen nicht. Lasst das Äußere Äußeres sein, und denkt mehr auf das Ausputzen und Verschönern eures Inneren, damit nicht auch für euch das andere Wort gilt, das Ich einst den Pharisäern sagte, ihr seid übertünchte Gräber, außen voll Glanz und Flitter, und innen voll Moder und Unflat.
Und wenn ihr euch ziert, was wollt ihr denn eigentlich damit bezwecken? Seht, ihr wollt anderen und besonders den Männern gefallen, denn kein Weib hat ein Gefallen an einer anderen, höchstens beneidet sie selbe um das, was sie glaubt, dass es ihr selbst abgeht.
Wenn ihr also euch verschönern wollt, glaubt ihr denn, es gibt kein anderes Mittel als eben den Anzug? Wie könnt ihr euer Antlitz verschönern? Seht, nur dadurch, wenn aus selbem eine schöne Seele herausleuchtet. Und wie verschönert ihr eure Seele? Seht, eben durch die Erhöhung eurer geistigen Stellung, durch Verbesserung eures moralischen Werts. Eine Mir ergebene Seele, worin Liebe, Friede und freiwillige Hingebung in Meinen Willen thront, eine solche Seele leuchtet aus allen Zügen des Antlitzes hervor, dort strahlt das Auge im himmlischen Liebefeuer, begeistert den Blick, welchem es begegnet bei weitem mehr, als ein geistloses Angesicht, umhängt von lauter bunten Geweben einer oft nur zu dumm angewandten Putzmode.
O ihr verirrten Kinder, ihr wisst nicht, wie ihr Männer fesseln könnt, sonst würdet ihr nicht auf dem Weg gehen, den ihr jetzt wirklich alle betreten habt.
Männer, Männer von Geist und Herz, (nicht eitle Gecken, die ebenso geziert sind wie ihr selbst,) solche Männer könnt ihr bloß durch geistreiche Unterhaltung, durch Gespräche fesseln, die weit über das gewöhnliche Leben hinausreichen.
Eure eigentliche Aufgabe als Weiber von Herz und Verstand sollte nur die sein, dem Mann bei einer Unterhaltung mit euch die Triebe der Sinnlichkeit vergessen zu machen und nicht selbe zu wecken, denn diese Triebe ohne geistige Liebe sind nicht menschlicher, sondern tierischer Natur, und ihr müsst wissen, Ich habe euch die Reize, die euer Geschlecht zieren, nicht gegeben den Mann zu vertieren, sondern ihn zu erheben, nicht nur über das Tier, sondern über den Erdmenschen. Ihr sollt fähig sein, ihm eine Liebe einzuflößen, die weit über dieses Leben hinausreicht, die ewig dauernd ist und nicht mit der Befriedigung der sinnlichen Triebe vergeht. Eure Reize sollten dazu dienen, selbst diesen Akt, wo der Mensch dem Tier gleich wird, dessen Resultat aber ein göttlicher ist, zu verfeinern und zu vergeistigen, so waren Meine Schöpfungsgedanken, und nachdem Ich euch wie jeden Menschen freigestellt habe, was ist aus euch geworden?
Seht euch nur selbst an, wie weit über euch steht dieses Ideal eines Weibes, mit Sanftmut, mit Liebe ausgestattet, welche alles ruhig erträgt was Ich ihr auferlegen will, um ihre Mission zu erfüllen, wo ist dieses Weib, das in ihrem Mann, in ihrer Familie ihr ganzes Glück sucht?
Wenige habe Ich Mir auserkoren, sie zu einem besseren Zustand zu führen, und auch diese wenigen sind noch so tief im Schlamm von weltlichen Ideen versunken, haben trotz aller Gnadenworte von Mir noch so viel Freude an nichtigen Gewändern und sonstigem kleinlichen Putzzeug, dass sie darob Mich und die Ewigkeit und alles vergessen können, was ihnen allein nur wichtig und heilig sein sollte.
Euer weiches Gemüt, welches gerade Meiner Lehre, welche auf Liebe gegründet ist, bei weitem leichter und inniger auffassen sollte als das Gemüt des Mannes, der, inmitten weltlicher Nahrungssorgen kämpfend, wohl manchmal Mich und Meine geistige Welt vergessen kann. In eurem Herzen, wo nur Liebe thronen sollte, welches nur für Liebe geschaffen wurde, dort steckt es jetzt voll von den unlautersten und schlechtesten Eigenschaften; der Tempel (das Herz), welcher durch die eheliche Liebe zur ewigen, geistigen vorbereitet werden sollte, ist jetzt ebenfalls, wie einst der Tempel von Jerusalem, voll von lauter weltlichen Begierden und Lastern.
Und wenn Ich euch dieses Wort gebe, so tue Ich es, weil Ich euch Mein Kommen mit dem Strick und der Zuchtrute ersparen will, wie Ich einst im Tempel zu Jerusalem die Verkäufer und Händler aus demselben jagte, weil sie das für Mich erbaute Bethaus zu einer Mördergrube machen wollten, was jetzt auch die meisten weiblichen Herzen sind, wo unbarmherzig die edelsten Gefühle der erhabensten Tugenden des schnöden Eigennutzes, der Putz-, Herrsch- und Gewinnsucht wegen gefühllos hingemordet werden.
Bessert euch, Meine Kinder! Die Zeit Meines Wiederkommens rückt heran, bereitet euch vor, nicht der Welt, sondern Mir zu gefallen. Die Welt lässt euch im Stich, und Ich bin der Herr der Ewigkeit, wo auch ihr einst leben müsst, das Wie aber liegt nur bei euch. Es ist des Vaters Mahnruf an Seine Kinder, noch ist es Zeit zur Umkehr, verschmäht die Lehren nicht, die Ich euch sende, übt sie aber auch aus, und ihr werdet wohl erkennen, ob es besser war, das für den Augenblick Lockende nicht einem ewigen nie vergehenden Besseren vorzuziehen.
Prüft eure Herzen, sucht eure Fehler zu erkennen; dieses ist aber bei eurer großen Eigenliebe etwas schwer, allein ohne Erkennen der Fehler kann man sie nicht verbessern, also zuerst wie ein alter griechischer Weltweiser sagte, lerne dich selbst erkennen. Bei dieser Erkenntnis müsst ihr angelangt sein, wenn ihr auf der Bahn, die euch Meine Lehre bezeichnet, fortschreiten wollt, ohne diese Selbsterkenntnis ist alles Lesen und Anhören Meiner Worte umsonst.
Erkennt die Welt in ihrem Unwert, und sucht auch den eigentlichem Wert eures Herzens zu begreifen, es soll ein Hauptsitz der schönsten Eigenschaften Meiner Himmel werden, und nicht eine alte Rüstkammer voll von weltlichem Plunder. Das ist eure Mission, außer ihr gibt es für euch kein anderes Mittel, in Meine Nähe zu kommen.
Verleugnet euch selbst wie einst Ich Mich verleugnet habe, nehmt Mein Kreuz auf eure Schultern, und folgt Mir. Mein Weg war wohl dornig und bitter, unterziehet ihr euch diesem, so fürchtet nichts, Ich, der diese Verleugnung und Demütigung aus Erfahrung kenne, werde euch helfen, wo eure Kräfte nicht mehr ausreichen, damit ihr den Vater wieder erkennen sollt, Der zwar Seine Kinder prüft, aber selbe nie unterliegen lassen will. Amen.
Quelle: „Allgemeine und besondere Lebenswinke für innere und äußere Verhältnisse und Zustände“, Neu-theosophische Schrift Nr. 39, Kundgabe v. 28. Juni 1871