Gottes- und Nächstenliebe
wie Blut und Wasser
„Und einer der Knechte öffnete Seine Seite mit einem Speer,
und alsbald lief Blut und Wasser heraus.“
Johannes 19,34
Nun sieh, Mein liebes Kind, du hast diesen Text gewählt, und möchtest nun eine Erklärung darüber, welche dir etwas Licht über Mein irdisches Leben aus jener Zeit verbreiten sollte. Nun so höre denn:
Was in jenen Zeiten ein Kriegsknecht getan hat, um sich Meines leiblichen Todes zu versichern, und was auch, wie die Schrift sagt, durch das Herausquellen von Blut und Wasser aus der geöffneten Seite sich bestätigte, das geschieht auch jetzt bei jedem, der Mir nachfolgen will, und ist auch entsprechend in dem Gang der Weltereignisse zu lesen, wo eben dieser Akt der Vorgänger und Vorbereiter zur künftigen Auferstehung, sowohl des einzelnen Menschen als der ganzen Menschheit ist.
Um dir aber dieses alles recht begreiflich zu machen, so muss Ich dir den physischen Prozess jener Wunden-Öffnung und sein Resultat erklären, und dann auf's Geistige in Entsprechungen übergehen.
Diese Wunde, die jener Kriegsknecht in Meine linke Seite machte, war ein Stich mit der Lanze durch einen Lungenflügel. Nun musst du wissen, dass die Lunge dazu in dem menschlichen Körper ist, um das abgelebte Venenblut, welches von seinem Kreislauf aus allen Teilen des Körpers zurückkehrt, wieder neu zu beleben, indem die Lunge die eine Funktion hat, das Abgestorbene aus allen Körperteilen des Leibes durch Ausatmen zu entfernen, und mittelst dem Einatmen das Venenblut wieder in Arterienblut umzuwandeln, unter welcher Form es erst wieder ins Herz, und von dort in den ganzen Körper neues Leben bringen kann.
Die Lungen also sind Haupt-Organe, ohne welche kein Fortleben auch nicht eine Minute der Zeit stattfinden kann.
In der Lunge geschieht also ein Scheidungsprozess und ein Bereinigungsprozess, der letztere viermal, bis ein einziger Scheidungsprozess durch Ausatmen das Verkohlte des menschlichen Organismus in einer Ausatmung der euch umgebenden Atmosphäre zurückgibt.
Wo dieser Prozess also nicht mehr stattfindet, da hat das Leben ein Ende, und das Blut, eher als alles andere, geht der Zersetzung entgegen, d.h., es trennt sich die lymphatische Flüssigkeit von den Blutkügelchen, und während sie früher einen Körper, das Blut, ausmachten, sie jetzt getrennt als gesonderte Stoffe ein jeder seinen eigenen Weg der Verwandlung entgegengeht; daher nach dem Stich in die linke Seite Blut und Wasser, oder, wie ihr es heißt, Blut und Serum getrennt, herauslief.
Diese Trennung ist das erste und sicherste Zeichen des Aufhörens der Lebensfunktionen. Was du nun hier physiologisch beschrieben findest, das geht auch in jedem Menschen und in der Menschheit geistig vor.
Was die Lunge im menschlichen Körper ist, als der einzige Hauptfaktor zur Bewegung des Herzens und durch selbes zum Beleben des ganzen Organismus des Menschen, das ist im geistigen Seelen-Menschen das große Gesetz der Liebe, geteilt in Zwei Geboten.
Wo Mein Liebesgesetz nicht tätig ist, da hat geistiges Fortschreiten aufgehört, da hat das eine Gebot sich vom anderen getrennt, und es folgt, wie bei Lymphe und Blutkuchen, ein jedes seinem eigenen Weg, d.h. die Liebe Gottes wird (dann) so eingerichtet, dass sie den Menschen nicht schwer fällt, und die Liebe zum Nächsten nur insofern ausgeübt, soweit selbe die Eigen-Interessen nicht berührt.
Während die Lymphe oder das Blutwasser der Träger der Blutkügelchen sein soll, oder geistig entsprechend, während die Nächstenliebe der Beweis einer Gottesliebe sein sollte, ist sie nur für sich allein bedacht, und wie das so getrennte Blut kein Lebensträger ist, so entsteht auch aus diesem geteilten Handeln kein eigentliches geistiges Leben, sondern die materielle Zersetzung, in Verleugnung alles Geistigen, und nur der Welt allein lebend.
Mein ganzes geschaffenes Universum aber besteht nur durch diese beiden Gesetze der Liebe; sie sind es, die Wesen an Wesen, und selbst die grobe Materie an Materie ziehen, sie festhalten, sie zur Änderung ihres geistigen und materiellen Zustandes bringen, um immer etwas neues, auf höheren Stufen Stehende zu erschaffen, so wie das Blut, getrieben durch den Druck des Herzens, bis in die kleinsten Haargefäße dringt, dort Leben verbreitend und Stoffwechsel anregend, den eigentlichen Lebensprozess ausmacht, ebenso geht der geistige Verlauf einer menschlichen Seele, gemäß ihrer Mission, den Weg auf der Stufenleiter geistiger Wesen vorwärts.
Was in der Lunge der anregende Sauerstoff der Atmosphäre ist, das ist Meine Lehre, Meine Liebesgesetze enthaltend; wo diese geistige Luftart nicht eindringt, da ist Rückschritt oder Tod; diese Lehre bewirkt den Ausscheidungsprozess zwischen Gutem und Schlechtem, und wie in deinem Körper bei jeder Pulsierung deines Herzens oder bei jedem Atemzug sich Verbrauchtes, Abgestorbenes ausscheidet und Neubelebendes wieder eingeatmet wird und den großen Kreislauf des Blutes antritt, ebenso in des Menschen geistigem Seelenleben die erhaltenen Lehren, die verstandenen Worte zu neuen Handlungen reizen, zu erneuter Scheidung des Schlechten anregen, damit das ganze geistige Leben, dem körperlichen gleich, stets altes mit neuem vertauscht.
So ist das rege Bewegen des Blutes das beste Bild deines Strebens, das Schlechte im Psychischen (Seelischen) mit dem Guten zu vertauschen, aus welchem Prozess erst das geistige, ewig fortschreitende Leben bedingt ist!
So wenig du also leben kannst, ohne dass dein Blut fortwährend in deinen Adern sein reges Leben entrollt, so wenig kannst du geistig leben ohne diesen immerwährenden Scheidungsprozess.
Und als einst der Knecht in Meine linke Seite stach, und Blut und Wasser herauslief, so war dieses die faktische Probe Meiner letzten Worte am Kreuz: „Es ist vollbracht!“ – Ich hatte als Mensch Meine Mission beendigt, und die eure begann.
Das Blut Meines irdischen Körpers teilte sich, und die Gottesliebe trennte sich von der Nächstenliebe, das Wort zu erfüllen, wo Ich sagte: „Ich bin nicht gekommen, euch Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“ d.h. bei Meinem Heimgang in Meine Himmel ließ Ich der Menschheit als Zeichen Meines Todes diese beiden Gesetze getrennt und ohne Leben über, gab ihnen aber nebenbei den Sauerstoff Meiner Lehre, um diese beiden Gesetze wieder zu vereinigen, das eine durch das andere zu ergänzen, und so wieder neu zu beleben den geistigen Seelen-Menschen, den Ich ihnen hinterließ, um aus eigenem Verdienst das zu werden, was ich am Kreuz gewesen bin, d.h. der vergeistigte Mensch, Der durch die größte Aufopferung am Schandpfahl des Kreuzes die menschlich-geistige Würde wieder in ihre Rechte einsetzte.
So wie also dieser Atmungs- und Blutumlaufs-Prozess bei jedem lebenden Menschen sein Leben ist und selbes bedingt, so ist es auch bei Völkern, bei der ganzen Menschheit.
Wo diese beiden Liebesgesetze nicht das geistige Leben der Völker und Nationen bedingen, ist nur Blut und Wasser, statt kräftiges, lebenbringendes Blut, ist Abgötterei oder Verleugnung Gottes, ist Egoismus, Selbstsucht, Selbst- statt Nächsten-Liebe, ist Tod im sozialen, Tod im geistigen Leben, wo sonach der Zersetzungs-Prozess in andere Elemente wieder, aber auf anderen oft härteren Wegen, Leben hervorbringen muss.
Daher sind die Schicksale der Völker, sowie der einzelnen Menschen verschiedenartig mit Drangsalen, Unglücken und Krankheiten vermischt.
Der ganze Körper leidet ja ebenfalls, wenn ein einzelner Teil seinen Funktionen nicht nachkommt; die allgemeine Lebenskraft sucht diesen Fehler zu verbessern, daher die Fieberzustände bei Krankheiten, und die geistigen Aufregungen bei Nationen.
Die getrennten Liebesgesetze können nicht bestehen, der Sauerstoff, Meine Liebelehre treibt sie an zur Wiedergewinnung des Verlorenen, zur Wiedererreichung geistiger Würde, und so vollbringen die Völker, was im einzelnen Menschen sein Gewissen, was im menschlichen Körper die Lunge als Zweck ihres Vorhandenseins zu leisten hat.
Vorwärts, tönt es aus allen Ecken; der Leib will sich vergeistigen, will seine Organe verfeinern, damit eine geistigere Seele ihr Kleid dem geistigen Zustand angemessen finde. Die Seele möchte ihr geistiges Feld der Gedanken und Handlungen von Schlechtem reinigen, möchte stets höher steigend dem in ihr wohnenden Geistesfunken gleichkommen.
Die Nationen und Völker, unbewusst oft des Dranges, welcher sie durchbebt, streben nach höheren Stufen, suchen sich des Gröberen, Materiellen zu entäußern; Männer stehen auf, vom Drang gezwungen, dem Volk sowohl als dem einzelnen Menschen seine Würde wieder zurückzugehen, alle Ausschreitungen von Gewalt und Willkür in ihre gerechten Schranken zurückzuweisen, damit Licht werde, damit geistiges lebendiges Blut Meiner Liebelehre alle Herzen freudig Dem entgegenschlagen mache, Welcher einst auf Golgatha durch Sein Beispiel der Menschenwürde die letzten Grenzen zeigte, wie weit ein Mensch, ohne seiner geistigen Würde zu Schaden, das Maß der Aufopferung und Demut ausbreiten kann, damit Gottes- und Menschen-Liebe vereint, und nicht, wie beim gekreuzigten leiblichen Gottmenschen, als Blut und Wasser, sondern wie beim vergeistigten Jesus als Vater der Schöpfung allen Seinen Kindern als vollgewichtiges Lebenselement vereint zur weiteren Ausbildung des geistigen Seelenmenschen so notwendig werde, wie das kreisende Blut im lebenden Organismus.
Daher schaffe du nur fort und fort das deinem geistigen Instinkt dir Entgegenstrebende hinaus; atme Meine Lehre, wie im Frühling die warme, von geistigen Elementen geschwängerte Luft, ein; lasse den Ausscheidungs-Prozess nur fortdauern, und beschleunigen den Stoffwechsel, so lebst du geistig, und von Stufe zu Stufe werden dir Meine Worte und deren Sinn, und die Sprache Meiner Natur klarer werden, wo stets Gottes- und Nächsten-Liebe vereint als einziger Lebensfaktor kreist.
Lass auch bei dir nie dein geistiges Blut zu „Wasser und Blut“ werden, halte sie stets beide vereint, denn du hältst dadurch Mich und Meine ganze Natur an dich gebunden, und in diesem Bund allein wird dir Friede und Ruhe erwachsen.
Nicht im Erreicht-haben liegt die größte Seligkeit, sondern im Streben, es zu erreichen. Daher verzage nicht! Mein Reich ist groß, und der Stufen sind unzählige; suche du dir die höheren zu gewinnen, denn je höher du steigst, desto größer der Horizont, desto größer die Fernsicht und das Verständnis Meines Liebe-Reiches, wo nicht „Blut und Wasser“ wie in einem toten Körper, sondern Licht und Leben, mit Liebe gepaart, alles belebt, beseligt und erwärmt.
Hier hast du wieder ein Wort von deinem heiligen Vater, Der nie aufhören wird, auch die kleinsten Falten deines Herzens zu erleuchten, bis du rein und glänzend einst als Liebes- Engel vor Ihm stehen wirst, und dann erst voll begreifen kannst, dass nur durch Kampf das Leben seinen eigentlichen Reiz erhält. Amen.
Quelle: Liebe, das Grundgesetz alles Lebens, Neu-theosophische Schrift Nr. 38, Kundgabe vom 12. Februar 1872