DIE GEISTERWELT
Verhaltenswinke an die Spiritisten
„Ihr, die ihr durch die Geister den geistigen Anschauungen näher stehen solltet, ihr seid daher auch am ehesten fähig, euch und andere aufzuklären, was bis jetzt so manchem dunkel war, und ebendeswegen solltet ihr auch diese Geistermanifestationen ernster nehmen, als es im Allgemeinen geschieht.
Die Eindrücke der Erlebnisse aus einer zukünftigen und längeren Lebensperiode, aus der Geisterwelt, sollten bei euch einen tieferen moralischen Eindruck machen, dann würdet auch ihr an euch selbst einen feineren Maßstab anlegen, ihr würdet euch veredeln, veredelnd selbst auf die Geister einwirken, damit nicht alle Geister aus dem Jenseits euch, sondern ihr auch sie bessern könnt.
So wäre ein geistiges Band zwischen zwei Welten geknüpft, das zum Resultat hätte, größere Aufklärung für euch und höhere geistigere Ansichten für die Geister selbst. Denn je mehr ihr den Geistern auf ihrem Weg forthelft, sie unterstützt, desto mehr hören auch bei ihnen selbst Täuschung und beschränkte Begriffe auf, und ihr werdet endlich von ihnen nicht individuelle Ansichten, sondern den wahren Sachverhalt erfahren, wie es in der anderen Welt aussieht, wie man sich zu verhalten hat, um dort leicht fortzukommen, und wie man sich Freunde und liebende Brüder und Schwestern in diesem Geisterland erwerben kann, während man, noch im leiblichen Körper eingeschlossen, die Forderungen desselben stets bekämpfen muss, um nicht sein geistiges Ich ganz zu verlieren.
So, Meine Kinder, betrachtet den Einfluss der Geisterwelt; lasst aber ab von den Spielereien mit den Geistern, wo ihr nur die Prahlsucht derselben erblicken könnt, die sich der Eigenschaften rühmen möchten, die ihnen als Geister gegeben sind, und wo sie in diesen Phänomenen [Geistermanifestationen] einen Zeitvertreib finden, statt dass sie ernstlich an ein Fortschreiten in geistiger Hinsicht denken sollten. Solange ihr diese Sucht zu glänzen in den verstorbenen Seelen begünstigt, solange haltet ihr sie auf, an etwas Ernsteres zu denken, und ihr selbst bleibt nur bei dem eben angeführten Spruch stehen, es gibt eine andere Welt, und weiter lernt ihr nichts.
Was das Einwirken auf die anderen Menschen betrifft, so sucht ihnen zuerst durch Taten und Worte zu beweisen, dass ihr edle moralische Menschen seid, dass ihr der höchsten Tugenden der Nächstenliebe, der Duldung und Aufopferung fähig seid. Zeigt vorerst, dass ihr selbst Religion besitzt, und das Volk wird euch glauben und folgen, aber bloß mit den Heften der spiritistischen Clubs und den darin aufgezeichneten Enthüllungen macht ihr keinen Menschen moralisch, denn der wenig gebildete Mensch will die Probe an euch selbst erst ersehen, dann folgt er gerne nach.
Nur so ist es möglich, Seelen zu gewinnen mit Liebe und Sanftmut, nicht mit Aufzählen aller Fehler und Sünden anderer. Erinnert euch Meiner Worte als Jesus, wo Ich sprach: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet, oder: Wer ohne Sünde ist, der hebe den ersten Stein auf. Denkt vielmehr an jene Stelle, wo ich die Fehler einer Sünderin in den Staub schrieb, und es werden auch alle Herzen zujubeln; selbst eure größten Feinde werden euch nicht die Achtung versagen können.
Seht, jetzt ist es Mode, dass die ganze Welt über den Priesterstand herzieht, je fanatischer ein Mensch gegen sie predigt, desto mehr Anhang hat er, desto mehr glaubt man ihn aufgeklärt. Seht, auch dieses Verfahren ist nicht christlich, denn man erbittert nur mehr, man facht das Feuer nur mehr an, statt dass es gemildert werden sollte.
Dass die Priesterschaft nicht so gehandelt hat, wie sie als Meine Stellvertreter handeln sollte, das weiß Ich ebenfalls, und besser als ihr, sowie dass eben diese Folgen ihrer Handlungen die natürlichen Konsequenzen davon sind, weil sie Meinen moralischen Gesetzen zuwider handeln wollte, und sie nun die Folgen davon sich selbst zur Last legen muss.
Sprecht, wie einst Ich gesprochen habe, verzeiht den Priestern, denn sie wissen nicht, was sie tun. Aber erbittert nicht das Volk gegen sie, sie sind genug gestraft durch ihr eigenes Gebaren. Sie sind, wie alle Menschen, verirrte Kinder, die mit der Zeit weit eher durch Milde beschämt als durch feste Gegenwehr besiegt werden können.
Seid edle Menschen, zeigt euch erhaben über die kleinlichen Vorurteile menschlicher Beurteilungskraft. Ihr kennt zum Teil die andere Welt, ihr ahnt, was Verirrten dort zuteilwird, daher bedauert und beweint eher die Verstockten, die eines temporären Glanzes und unbändiger Herrschsucht wegen ihre ganze lange jenseitige Laufbahn mutwillig verscherzen. Helft nicht niederreißen, sondern baut vorerst das Haus der reinen Moral auf, und das zeremonielle Gebäude eines toten Kultus wird von selbst zusammenfallen.
Sagte Ich ja doch Selbst: Wer Mich anbeten will, der muss Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten, denn Ich bin ein Geist.
Denkt also: Geistig ist unsere Natur, geistig ist alles, was uns umgibt, wenngleich in Materie gebunden, und geistig soll unser alltägliches Handeln den Stempel einer hohen Abkunft zeigen, geistig soll unser Streben sein, damit wir, einst den Körper verlassen müssend, als Geister unseren Brüdern in der Geisterwelt ebenbürtig werden, und mit ihnen den Weg der geistigen Vervollkommnung getrost fortsetzen können.
Dieses soll das Resultat eurer Bemühungen sein, alle miteinander einen höheren Standpunkt zu erreichen, wo nur die Gottesliebe, gegründet auf Nächstenliebe, der alleinige Beweggrund eures Handelns und Tuns ist, und Rache und alle sonstigen Leidenschaft nicht mehr in eurer Seele den Zutritt erhalten.
Dieses zu erleichtern, seien euch diese Wort gegeben von Dem, Der alle Fäden der geistigen und materiellen Welt in der Hand hält, und Der, eben weil Er ein Geist ist, alles vergeistigen möchte sobald als möglich, damit alles wieder zurückkehre zu dem, von wo es ausgegangen ist.
Bestrebt euch, bessere Menschen zu werden. Lasst nicht bloß auf eure Clubsitzungen die geistig erhebenden Gefühle beschränkt sein, sondern tragt Mein Bild als Jesus als höchstes Symbol des Menschen im Herzen, übt dessen Tugenden aus, und Er wird euch in euren Bestrebungen unterstützen, da es sich ja um den Aufbau eines geistigen, ewigen, nie zu verwüstenden Tempels handelt, der das menschliche Herz ist, wo im kleinsten Raum der höchste, geistige, göttliche Funke seine Behausung hat und der Erlösung harrt, um dann befreit von den irdischen Schlacken als Geist mit den Geistern der höchsten Seligkeiten fähig werden zu können. Amen.“
Quelle: "Wahrheit über Spiritismus", Neu-theosophische Schrift Nr. 41, Auszug aus der Kundgabe vom 11. April 1874
„Die Verbindung mit der Geisterwelt habe Ich zugelassen, ja ihr könnt Verwandte, geliebte Personen aus dem Jenseits rufen. Manchmal kommen sie, manchmal sind es andere, die sich deren Namen bedienen, um euch irrezuführen. Seid auf der Hut, gebt euch nicht Illusionen hin. Die Wahrheit, wie sie ist, könnt ihr nur von Mir erfahren, ja selbe den Suchenden aus der anderen Welt mitteilen und sie dadurch oft glücklicher machen als ihr euch selbst wähnt.
Aber mit Ernst und Liebe müsst ihr zu Werk gehen, erhabene Stimmung, Bruderliebe zu solchen spiritistischen Sitzungen mitbringen. Nur dann ist es möglich, dass sich euch ein besserer Geist nähert, welcher durch den Drang, Gutes zu tun, euch noch hier lebenden Menschen Trost und Rat geben möchte, welche er selbst oft im irdischen Leben nur dort gesucht hatte, wo sie nicht zu finden waren, und dort, wo man sie ihm treuherzig angeboten, hartnäckig verschmähte. Solche Geister, ihre eigenen Fehler einsehend, möchten euch dann warnen, damit ihr nicht in die nämlichen Fehler geratet.
Diese Worte nehmt euch zu Herzen, das übrige Gefrage aber lasst bei Seite. Denn die Verhältnisse im Geisterreich sind so, dass, will ein Geist sie euch erklären, ihr selbe nicht versteht, nicht begreifen könnt, und sagt er euch wirklich etwas, was ihr als Menschen zu verstehen glaubt, so hat er, der Geist, euch angelogen.
Traut Meinen Worten. Ich glaube, Ich habe euch die ganze Schöpfung schon von vielen Seiten erklärt, und gezeigt, dass, wollt ihr euch instruieren, Stoff genug in diesen Worten wäre, wozu nun diese Erklärung des ganzen Geisterreichs als Ergänzung des früheren Worts, wieder eine Probe sein soll, dass Ich nichts unterlasse, um euch die geistigen Augen zu öffnen, damit ihr alles, was auch mit der Zeit sich noch ereignen wird, richtig beurteilen und geistig verwerten könnt.
Geister seid ihr ja selbst, wenngleich noch in festerer Hülle eingeschlossen. Aber eine kurze Spanne Zeit, und auch ihr habt dieses Kleid abgestreift und ein feineres angezogen, welches euch dann nicht hindern wird, auf der zweiten Stufe angekommen, die erste hinter euch recht zu beurteilen. Möge diese Beurteilung und das Resultat davon zu euren Gunsten ausfallen, dann wird das weitere Fortschreiten bedeutend leichter sein, und ihr werdet stets mehr erkennen, dass, wenngleich ihr dann Geister seid, die geistige, wahrhaft göttliche Erziehung noch lange nicht vollendet ist, und es eine unzählbare Zeit braucht, bis ihr als Geister wisst, was ein Geist erreichen soll und muss, soll er vollwahr ein Kind Gottes genannt werden.“
Quelle: "Wahrheit über Spiritismus", Neu-theosophische Schrift Nr. 41, Auszug aus der Kundgabe vom 15. Mai 1876