Schrifttexterklärung
Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen.
Markus 10, 21
am 1. Februar 1873
Als Ich dem Obersten sagte: Verkaufe alles, und folge mir nach, verstand er es ganz wörtlich, und in jenen Zeiten hatte er auch recht wörtlich und faktisch das tun zu wollen, was Ich ihm riet, denn dort war erstens Ich in Person da der er folgen konnte, und zweitens war das Schicksal Meiner Nachfolger Mir zu sehr bekannt, besser als ihnen selbst, wo Reichtum nicht anpassend, sondern nur ein Hemmschuh ihren Wirkens gewesen wäre, denn sie mussten ja nur zu oft gegen die Missbräuche der Reichen predigen, und wie hätten sie, als selbst Reiche, gegen dasjenige Andere belehren können, wenn sie es selbst als erstrebenswert angesehen und sich durch dieses zu allen möglichen Sünden hätten verleiten lassen.
In jener Zeit sagte Ich auch einst: Wenn dich dein Auge ärgert, so reiß es aus, oder wenn deine Hand eine schlechte Handlung begeht, so haue sie ab. Warum hat denn diese Worte kein Mensch wörtlich genommen sondern suchte gleich im Anfang schon diese bildliche Deutung nur geistig zu entziffern? Weil ihnen Augenausreißen und Handabhauen zu schmerzlich gewesen wäre, und sie alle ihren Körper zu sehr liebten. So gut sie also bei diesen letztangeführten Worten die bildliche Sprache von dem eigentlichen Sinn Meiner Worte unterschieden, ebenso hätten sie auch in vielen anderen Beispielen das Gleiche tun sollen, allein der Auffassungsgeist mangelte ihnen dazu; und selbst Meine Jünger waren nicht frei von diesem Übel, wo Ich manchmal vieles erläutern musste damit sie nicht auf falsche Schlüsse und durch diese auf irrige Ideen gerieten.
Der Oberst antwortete Mir ebenfalls, dass er alle 10 Gebote Mosis schon von Jugend auf gehalten habe, es versteht sich von selbst in seinem Sinn, wo eben die Waagschale nicht so feinfühlend war und manches darüber hinausgleitete, wenn es den Gelüsten und Leidenschaften der menschlichen Natur mehr Zwang angelegt hätte, wie heutigen Tages noch Tausende von Menschen meinen, wenn sie die polizeilichen Gesetze des Staates halten in dem sie leben, dass dann der rechtschaffene, moralische Mensch schon fertig sei, und nie ahnen, wie viele schwere Vergehen sie verüben können, geistig und physisch, wofür ihr Strafkodex keinen Artikel hat.
Dass Ich dem Obersten in jener Zeit antwortete: Verkaufe alles, gib es den Armen und folge Mir nach, dieses wollte auch in jener Zeit schon für ihn sagen: Entledige dich von allem was deiner menschlichen Natur schmeichelt oder wohltut, gib deinen Mitbrüdern deine Nächstenliebe ganz, und nur dann kannst du darauf denken in Meine Fußstapfen zu treten, zuerst ein Schüler von Mir und später ein Lehrer für Andere zu werden.
Dieses ist auch der Sinn dieses Verses noch heutzutage für euch alle; denn da ihr Mir nicht persönlich nachfolgen könnt wie der Oberste in jener Zeit sondern Meine Lehre für Mein Ich nehmen müsst, so ergibt sich hiermit der geistige Sinn jener Worte auch von selbst, denn er heißt: Zieht euren alten Adam aus. Gebt nicht den weltlichen Gütern mehr Wert als sie eigentlich haben, befolgt das Gesetz der Nächstenliebe, indem ihr jeden Menschen als Bruder oder Schwester betrachtend ihm helfen, ihn unterstützen wollt soweit es eure Kräfte gestatten, und so werdet ihr durch die Nächstenliebe zur Gottesliebe gelangen können, werdet durch dass Ergänzungsgesetz Meiner großen Gebote das Hauptgebot um so leichter erfüllen können. So ist der Sinn dieses freundschaftlichen Rates, den Ich dem Obersten in jener Zeit und nun heute euch wieder gebe.
Seht, wenn Ich dem Obersten sagte: Verkaufe alles was du hast, so heißt das geistig: Entäußere dich von allem was dir hinderlich ist dich höher aufzuschwingen, entäußere dich des materiellen Drucks, damit, wenn Ich dir auch zu besseren Zwecken Millionen schenke, du deren Gewicht nicht fühlst, sondern statt eine Last sie dir nur Mittel sind ja recht viel für deine Mitmenschen tun zu können.
Das Entäußern oder Verkaufen und Weggeben an Andere will ja nur heißen, dass du dich selbst vorerst besiegen musst ehe du an einen Sieg über Andere denken kannst. Das Augenausreißen sagte ja ebenfalls nichts anderes als: Wende dein Auge von Dingen hinweg, die dir deine Menschenwürde verletzen könnten, und entferne deine Hand, damit du nicht Handlungen begehst deren du dich schämen müsstest.
Immer und immer dasselbe: Besiegt eure menschliche Natur damit die geistige daraus erstehe.
Nur so folgt ihr Mir nach, nur so hat euer Lebenswandel einen Zweck, und nur so könnt ihr alle Lebensereignisse in ihrem wahren Wert ermessen, beurteilen und zum geistigen Fortschritte für euch und für Andere benützen.
Solange ihr nicht Herr über eure Leidenschaften seid sondern selbe euch regieren, so lange seid ihr im Besitz von Dingen, die euch nur schaden aber geistig nichts nützen können. Ihr müsst euch alles dessen entledigen was euch hinderlich in der Nachfolge Meiner Lehre ist, nur dann habt ihr euch alles entledigt, habt alles verkauft, weggegeben, habt nichts mehr als eure Liebe zu Mir und zu euren Nächsten, wo dann ihr Mir nachfolgend auf Andere heilbringend einwirken könnt, und nicht wie der Oberste euch traurig von Meinem Tisch geistigen Brots entfernen müsst. Seht, so muss der einfache Sinn dieses Verses verstanden und aufgefasst werden.
In jener Zeit gehörten zu Meiner direkten Nachfolge so manche persönliche Opfer dazu, die sich heutzutage in geistige Enthaltungsregeln verwandeln. In jener Zeit war Mein Ich als Person unter Meinen Jüngern und Aposteln wandelnd ein starker Zug und ein großer Hebel für alle der euch heute gänzlich fehlt; dort sahen Meine Jünger, was ihr jetzt glauben und fühlen müsst; hier liegt der Unterschied zwischen einst und jetzt.
Dort war Ich ein Lehrer der ganzen Menschheit, Ich kam zur Erde für alle, und Meine Nachfolger mussten ebenso wie Ich der ganzen Menschheit angehören und in alle Länder Mein Wort verbreiten, deswegen Eigentum für sie eine Last gewesen wäre.
Jetzt ist diese Forderung bei weitem enger gezogen. Nur einen kleinen Kreis von Menschen, und zwar meistens jene, die Ich zu euch schicke, diese sollt ihr belehren, diese sind die Armen, denen ihr alles was ihr habt geben, ihnen angedeihen lassen sollt was ihr in so reichem Maß besitzt. Diesen Geistesarmen teilt ihr Geistesreiche von eurem Schatz mit, labt und tröstet sie, und so werdet ihr ebenfalls geistige Apostel von Mir sein wie einst Meine Jünger, die ebenfalls nur Geistiges verteilten weil sie Weltliches nicht hatten und auch, hätten sie es gehabt, es nicht schätzten.
In jeder Zeit und unter anderen Umständen werden sich die Mittel und Wege ändern müssen wie man Meinen Worten, Meinen Gesetzen nachkommen und entsprechen kann; und auch wenn ihr im Jenseits angekommen sein werdet, wird das Aposteltum, das Lehrerwesen nicht aufhören, nur die Art und Weise des Hingebens alles dessen was ihr besitzen werdet ist verschieden und doch nur zu demselben Ziel führend. Deswegen bleiben Meine Worte sich stets gleich, stets dasselbe bewirkend, und stets zum selben Ziel führend.
Eine Wahrheit ist ja nur vorhanden, und diese ist entweder den Urvätern durch Mich gegeben oder später den Juden und der ganzen Menschheit durch Mein persönliches Auftreten noch mehr präzisiert worden, und jetzt als direkte Mitteilung an euch wieder in tausend Formen wiederholt, und diese Eine Wahrheit heißt und wird ewig heißen: Trachtet Meine Kinder zu werden indem ihr alles Weltliche das Ich um euch gelegt habe, beim rechten Namen nennen lernt und keinen größeren Wert auf Dinge legt, die eben nur flüchtig euch gegeben sind, und oft nicht als Geschenke sondern als Probeschule euch dorthin führen müssen wohin gerade ihrer natürlichen Tendenz halber sie nicht steuern.
Wenn in der Welt, geistig oder materiell, der Kampf nicht wäre, so wäre kein Leben, denn das Leben bedingt sich ja dadurch oder ist eigentlich nur der Streit zweier Faktoren, Bestehen und Verderben, Licht und Finsternis, Wärme und Kälte, Geistiges und Materielles; ohne diese Gegensätze bestände keine materielle Welt und hätte die geistige auch keinen Zweck; sondern nur durch Einkleidung des Geistigen in Materielles, und durch das Befreiungsstreben des Geistigen aus den materiellen Banden entsteht das was ihr als Leben seht, was das Fortbestehen desselben bedingt, und so nie aufhören kann; denn Stillstand ist Tod, und Tod kennt kein Geschaffenes aus Mir, dem ewig unendlich Lebenden.
Es muss also zwei entgegengesetzte Triebe geben die den Geist zum Fortschreiten antreiben, damit er ebenfalls sich alles dessen entäußert was ihn hemmt um, seines Ursprungs eingedenk, sich erhebend reiner und höher strebend zu begreifen anzufangen, warum er geschaffen und was sein Zweck ist.
Das Geistige im Wort ist es, das die Worte erst zu dem macht was sie sein sollen, ohne selbes wäre das Wort ein leerer Schall, ohne Bedeutung; und ebendeswegen, wie die Schale den Kern einschließt, ihn verbirgt und ihn vor allen äußeren Einflüssen schützt, ebenso liegt im Wort das Geistige verborgen, das aber nur vom Gleichen, d.h. vom Geist, verstanden und aufgefasst werden kann.
Solange also Meine Worte nicht geistig gelesen werden, können selbe nur missverstanden und missdeutet werden, wovon dann diese verschiedenen Ausschreitungen wie ihr sie in der Welt seht herkommen. Viele sind berufen, aber wenige auserkoren besagt daher ebenfalls, dass Ich vielen Mein Wort gegeben habe, aber doch nur wenigen es verständlich geworden ist; weswegen eben diese wenigen dann den Lebensberuf haben, die vielen auf den rechten Weg zu bringen und ihnen verständlich zu machen, was ihnen bis jetzt mit sieben Schlössern verriegelt vor Augen lag.
So will Ich euch die Schrift erklären, damit auch ihr mit der Zeit im Stand sein werdet aus den Worten den Kern oder Geist herauszufinden, und Meine Sprache aus jener Zeit lehrreich für Andere in eure Sprache übertragen zu können; denn noch liegt auf vielen von euch eine große Portion von weltlichem Nebel der gelichtet werden muss, auf dass Meine Geistessonne in euer Gemüt scheine, und alle Winkel erhellend keinen dunklen Fleck darin lasse. Nur dann seid ihr fähig als Meine jetzigen Jünger Meinen einstigen in ihren Fußstapfen zu folgen.
Aber bevor alles dieses geschieht, müsst ihr ebenfalls wie einst dem Oberst geraten wurde, alles von Euch entfernen was eingebildeten Wert nur hat, und selbes in seinem nackten geringen Wert für das Beste eurer Mitmenschen benützen, und ihnen statt nichtigen Weltwert den geistigen fühlen lassen der in Meinen Worten liegt, die nie vergehen werden, während alles andere vergänglich, und deswegen auch nur vergänglichen Genuss verschaffen kann.
Werdet arm an eingebildeten Reichtümern, und werdet reich am Geistigen. Dann habt ihr nicht nötig wie der Oberste euch traurig von Mir zu wenden, sondern freudig Meinen Lehren folgend Meine echten Nachfolger und einst Meine Kinder zu werden, zu welchem Zweck Ich euch und alle Wesen schuf, die auf den verschiedenen Welten Mich als ihren Gott und Vater preisen und lieben. Amen.
Quelle: Allgemeine und besondere Lebenswinke für innere und äußere Verhältnisse und Zustände, Sammlung neu-theosophischer Schriften Nr. 39, S. 116