EHE UND FAMILIE
Winke für Mütter
Deine Schwester hat sich ausgedrückt, dass sie wissen möchte, wie sie sich in ihrem Haus und mit ihren Kindern zu benehmen habe, und so will Ich dir einige Zeilen für Meine liebe Tochter geben, die so gern ihr ganzes Haus und seine Einwohner auf dem Weg sehen möchte, den sie selbst zu ihrem Heil eingeschlagen hat.
Schon einmal sagte Ich ihr, ob sie denn glaube, als ein kleines Flämmchen ein ganzes großes Haus erleuchten zu können, und doch möchte sie dieses Mirakel sehen weil sie glaubt, das sei ihre Mission. Am Sonntag wird sie aus Meinem Pfingstwort* schon ersehen, inwieweit sie als Mutter und Hausfrau wirken kann unter den jetzigen Umständen, wie selbe sich in ihrem Haus vorfinden.
Was ihre Kinder jetzt sind, sind sie geworden unter dem Einfluss von ganz anderen Umständen und Weltansichten als wie deine Schwester jetzt die Welt ansieht. Ich weiß es recht gut und kenne ihr Herz, sowohl als Meine Tochter als auch als Mutter; allein das Vergangene kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden, und so muss sie mit Geduld zusehen, wenn ihre Kinder nun andere Wege gehen als sie selbst; es mag ihr zur Beruhigung dienen, dass, was ihre Kinder jetzt sind, nicht auf Rechnung der Mutter geschrieben wurde, und so soll sie nur ruhig abwarten was für Schritte Ich einleiten werde, um ihre Kinder so zu führen, dass selbe einst doch auch noch Meine Kinder werden könnten.
Eines aber muss Ich hier voraus bemerken, Ich kann nicht umhin, dabei solche Wege einzuschlagen, die Ich selbst als notwendig erachte. Hat deine Schwester vielleicht je jemand gesehen, der, ohne zuvor weltlich etwas gezüchtigt worden zu sein, freiwillig den Weg zu Mir gefunden hat? Oder hat sie selbst etwa, solange die Weit mit all ihren Reizen ihr zulächelte und es von Vergnügen zu Vergnügen ging, an Mich gedacht, wie sie es jetzt tut? – Sie lege die Hand aufs Herz, und eine Stimme wird ihr mit Nein antworten.
Erst als die Welt sich für sie zu schließen begann, und ihr so mehr Zeit zum Nachdenken gelassen wurde, über die falschen Ideen von Wert und Unwert aller mondänen Dinge reifer nachzudenken, erst da fand sie, dass über all diesen Dingen es noch etwas Höheres und Wichtigeres gibt.
Von diesem Zeitpunkt her schreibt sich ihre Um- und Einkehr bei Mir; und wenn sie ihre Kinder glücklich wissen und auch bei ihnen den Trieb nach Mir erwachen sehen möchte, wie ist solches möglich ohne bittere Stunden und sogenannte Unglücksfälle? Oder glaubt sie denn, es sei so leicht, den Titel Mein Kind zu erwerben, und die Menschen könnten das werden so mitten im Reichtum und Glück, wo ihnen die Not und der Hunger nur vom Hörensagen bekannt ist, aber nicht aus eigener Erfahrung? Wenn sie nur ein wenig darüber nachdenken will, so muss sie es als ein Wunder, ja als eine außerordentliche Gnade ansehen, dass ihre Familie sie selbst so behandelt hat wie sie es wirklich getan; denn ohne diese Behandlungen wäre sie nie zu Mir, nie in Meine Nähe gekommen; und so ist es auf dieser Welt überall, dass oft die Menschen gerade mit dem, was sie eigentlich Böses an anderen verüben wollen, das Meiste zu deren Bestem beitragen.
Deswegen soll sie nur ruhig sein und Mich sorgen lassen; will Ich ihren Kindern diese Gnade angedeihen lassen wie ihr, so soll sie überzeugt sein, dass Ich gewiss die Mittel und die Art finden werde um ihre Herzen von der Welt abzuziehen, und ihnen den Weg zum Frieden und zur inneren Seelenruhe zu zeigen, den sie alle jetzt vergebens suchen und gemäß ihrer Anschauungsweise auch nicht finden können.
Meine liebe Tochter soll nur ihre eigene Führung als Richtschnur auch für ihre Kinder nehmen, und mit Vertrauen zu Mir wird sie bald erfahren, dass alles was der heilige Vater tut, stets im rechten Zeitpunkt und in der rechten Weise zum Besten der verirrten Menschenkinder geschieht. Dies für heute. Amen.
Quelle: „Allgemeine und besondere Lebenswinke für innere und äußere Verhältnisse und Zustände“, Neu-theosophische Schrift Nr. 39, Kundgabe v. 1. Juni 1870
*Auszug aus dem vorerwähnten Pfingstwort:
Was Meine weiblichen Kinder anbelangt, so muss Ich vorausbemerken, dass das Weib höchst selten so wie der Mann ein selbstständiges Leben und Wirken hat, und deswegen sein Einfluss auf das äußere Leben gering, und sein Wirken nur mehr auf den Familienkreis begrenzt ist, wo es als führende Mutter Meine Worte und Lehren auf die Kinder übertragen sollte. Da Ich aber in eurem Kreis zumeist solche Töchter habe, die erst später zur wahren Erkenntnis Meines Worts und Meiner Lehren gelangten, wo ihre Kinder schon größer und in anderen Verhältnissen oder unter anderen Umständen erzogen wurden, als, wären sie jetzt noch jung, sie sie nun erziehen würden, so fällt hier hauptsächlich schon die erste Mission hinweg, weil es zu spät ist, den stark aufgewachsenen Baum jetzt erst beugen zu wollen; Ich mache eben deswegen keiner von denen, die Kinder haben, eine Vorwurf darüber, denn hätten sie zur Zeit gewusst was sie jetzt wissen, so hätten sie auch anders gehandelt. Ich sehe, was für Gedanken in ihnen aufsteigen, sie fragen Mich, warum hast Du uns nicht früher mit Deinen Worten bekannt gemacht?
Und Ich sage darauf, weil früher, von wem sie euch auch mitgeteilt worden wären, ihr selbe nicht angenommen hättet; die eine wegen ihrem Reichtum, und der aus selbem entspringenden verkehrten Ansichten, und die andere wegen häuslichem Unfrieden, da neben vieler Duldung, die die Zeitumstände mit sich brachten, ihr keine Zeit blieb, an ihrem Seelenheil zu arbeiten, um so weniger an das geistige Heil ihrer Kinder zu denken usw.. Deswegen seid unbesorgt Meine Töchter! Ich habe euch geführt, und habe euch dulden lassen, um wenigstens euch für Mich zu gewinnen; für eure Kinder habt keine Sorge, auch diesen wird es nicht an Prüfungen fehlen, nur nehmt alles, was Ich über sie schicken werde, nicht für Übel und Unglück. Was Ich euch selbst erdulden ließ, jetzt wo ihr Mich erkannt habt, wisst ihr, es waren alle Leiden nur lauter Segenstaten, die euch dorthin führten, wo ihr jetzt seid.
Segnen müsst ihr alle Missgeschicke, die euch trafen, denn sie läuterten euer Gemüt, brachten eure Weltansichten zurecht, und führten eure Forderungen auf die bescheidenen Wünsche zurück, nur mit Mir Freude zu haben, und die Welt gehen zu lassen, wie sie will. Darum beängstigt euch nicht Meine lieben Töchter, was Ich mit euren Kindern in der Folge im Sinn haben werde ist Meine Sache, lasst nur das Muttergefühl nicht über Meine Liebe hinauswachsen; Ich liebe eure Kinder ebenfalls, möchte auch wie ihr sie auf dem rechten Weg haben, allein ohne Zwangsmittel geht das nicht, und in Meinem Reich der freien Geister gibt es kein Muss sondern nur ein Soll; frei müssen alle Meine Kinder zu Mir kommen, frei aus dem Inneren heraus Mich anerkennen, dann sind sie Meine Kinder, und um das zu werden, muss Ich manchmal Mittel anwenden, die euren kurzen Mutteransichten oft gerade entgegengesetzt sind. Eure Mission ist, wartet geduldig den Moment ab, wo ihr kleine Worte könnt fallen lassen; lasst diese Worte wirken, zeigt sich keine Wirkung, bei nächster Gelegenheit wiederholt die Medizin; und wie in der Homöopathie eine kleine Dosis oft wichtiger ist als in Pfunden dargereichte Arznei, so wartet, dann arbeitet am Herzensgarten eurer Kinder still und verborgen, seht ihr ein geistiges Pflänzchen oder eine Blume empor keimen, sucht sie zu pflegen. Alles in der Welt hat seinen Anfang im Kleinen; im Embryo schläft der Funke eines Kindes, der ein Mensch, Mein Kind werden und endlich ein großer Engelsgeist geworden, Welten und Sonnenalle in seinen Händen tragen kann.
Quelle: „Pfingstsegen als Licht und Trost für’s Leben“, Neu-theosophische Schrift Nr. 36, Auszug aus der Kundgabe ‚Zum Pfingstfest‘ v. 1. Juni 1870