PREDIGTEN DES HERRN
- Originaltext nach der Erstausgabe von 1892 -
21.
Am zweiten Sonntag nach Ostern
Der gute Hirte
Johannes 10,1-16+27-29: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer nicht zur Tür eingeht in den Schafstall sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Tür hineingeht, der ist ein Hirte der Schafe. Dem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, geht er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach sondern fliehen von ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht. Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, dass er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; und dieselben muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. -
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie; und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.
Empfangen am 9. März 1872
Die Verbreitung von Jesu Lehre und ihre Widersacher
Dieses Kapitel handelt von dem wahren Führer der Menschheit zum Licht und zur Wahrheit und von den falschen Führern, die sich gebärden als wüssten nur sie allein den Weg zum Licht, während sie doch selbst in der größten Finsternis sind.
„Diebe“ und „Mörder“ bezeichnen in geistiger Beziehung das Streben, das Geistige in der Seele des Menschen entweder zu entwenden oder ganz zu vernichten.
Die „Tür“ allein bin Ich, d.h. der einzig wahre rechtmäßige Weg zur wahren Erkenntnis; und nur jene Menschen, die durch die Welt und ihr Treiben den unbewussten Trieb nach dem Geistigen nicht verloren haben oder sich denselben nicht haben rauben lassen, oder die wenn er ihnen abhanden gekommen war selbe wiederfanden, nur jene Menschen wissen Meine Stimme und Meine Lehre von der Stimme und Lehre der falschen Propheten zu unterscheiden, und nur jene werden Meinem Ruf folgen, eben weil sie Meine Stimme erkennen und von den anderen verführerischen zu unterscheiden vermögen.
Gerade jetzt seid ihr in dieser geistigen Bewegung, wo bildlich gesprochen zu allen Fenstern und anderen Öffnungen Diebe und Mörder in Mein Wohnhaus einsteigen um sich des Schatzes zu bemächtigen, der in selbem verborgen ist. Gerade jetzt seht ihr in den aufgeregten Gemütern die religiöse Bewegung wie selbe die Herzen ergreift, erweckt, sie hin- und herzieht und vor lauter Anpreisungen von jeder Seite es schwer zu erkennen ist, wo eigentlich die wahre Tür in den Schafstall und wo der wahre Hirte ist, denn je mehr der Instinkt die gläubigen Herzen zu Mir führt, desto mehr wehren sich die anderen, die nur ihren eigenen Vorteil allein im Auge haben, damit nicht Ich, sondern sie den Sieg davon tragen möchten.
Je mehr mein Einfluss wachsen wird, desto mehr wird sich auch der Widerstand steigern, und Meine Kinder werden eben dadurch auf die härtesten Proben gestellt werden, wo ihr Glaube, ihr Vertrauen und ihre Standhaftigkeit sich werden zeigen und stärken müssen.
Meine Lehre ist nur eine, und das ist die der Liebe, während die Lehren anderer vielseitig sind, und gerade statt Liebe Hass, statt Demut Hochmut, statt Duldung Unduldsamkeit predigen, und diese Führer werden ihre Lehren auch praktisch durch ihre Taten ausüben.
Wie Mich einst die Juden verfolgten, Mich töten und steinigen wollten, so wird es auch jetzt geschehen; auch jetzt wird man Steine auf Mich und Meine Lehre schleudern, die falschen Ausleger Meiner Lehre werden sie dem Satan zuschreiben und die ihrige als direkt vom Himmel kommend ausposaunen. Es werden sich die Gemüter erhitzen statt erwärmen, die Ideen werden aus den Köpfen in die Fäuste getrieben werden, und wo Liebe und Friede gepredigt werden sollte, wird der blinde Irrwahn seine blutige Fackel schwingen und Opfer auf Opfer für seine Lehre fordern; und so erfüllt sich auch Mein Wort, wo Ich einst sagte: Ich bringe der Welt nicht den Frieden, sondern das Schwert.
So wie in der ganzen Schöpfung durch Reibung Licht und Wärme entsteht, und durch diese beiden Naturkräfte das ganze Weltall besteht und erhalten wird, so muss geistige Reibung den Läuterungsprozess vollführen, damit sich die Wärme der Liebe und das Licht der Wahrheit entwickle. Eben dieses Streben der falschen Lehrer und Propheten wird den Zweck Meiner Lehre beschleunigen, denn gerade durch ihr leidenschaftliches Auftreten regen sie die Gemüter zum Nachdenken, zum Vergleichen an, und wenngleich anfangs viele dem Ruf derselben folgen, so werden sie doch, wenn sie auf Meine verlästerte Lehre aufmerksam gemacht wurden, derselben dann mehr Aufmerksamkeit schenken und das Endergebnis wird sein, dass viele von ihnen dann den rechten Führer und die rechte Tür finden werden, und zwar bloß deswegen, weil eben ihre Leiter und Führer sie vom Suchen abhalten wollten.
So werden gerade die Bemühungen Meiner Gegner Mir am besten in die Hand arbeiten und am Ende das bezwecken was sie verhindern wollten, das ist die Vereinigung Meiner Kinder mit Mir, und Meiner Schafe mit ihrem einzigen Hirten.
Diese falschen Lehrer werden sich in den Stunden der Gefahr wie Mietlinge zurückziehen, während Ich Meinen wahren Kindern allen Schutz angedeihen lassen werde, an dem Schutz Meine Nachfolger auch den eigentlichen Herrn, den wahren Hirten als mächtigen Beschützer der Seinen erkennen werden.
Lehrhinweise
So wird es kommen, und deswegen erschreckt und verzweifelt nicht, wenn gerade da wo ihr wähnt es werde eure Zahl sich mehren, da wo ihr annehmt Mir im Glauben und Vertrauen sehr nahe gekommen zu sein, ihr dann gerade den größten Widersachern begegnet, und sich die stärksten und mächtigsten Hindernisse vor euch auftürmen werden.
Beeifert euch aber auch nicht in dem Suchen nach Gleichgesinnten oder im Bekehrenwollen anderer; es ist nicht so leicht wie ihr es oft glaubt andere auf den Weg der reinen Liebelehre zu führen, denn Meine Lehre fordert ja gerade Lossagung von dem was dem Menschen in der Welt am angenehmsten scheint, und Meine Lehre ist ja nicht von dieser Welt, und behandelt und berücksichtigt daher nicht euer Vorwärtskommen im Diesirdischen oder Materiellen sondern euren Fortschritt in der geistigen Welt.
Um das Bequeme, schon seit langer Zeit Angewöhnte und Geglaubte fahren zu lassen, und den stets stärker wachsenden Streit mit sich selbst und der Welt aufzunehmen und durchzukämpfen um alles das, was euch nach unten zieht oder an die Welt zu fesseln sucht, über Bord zu werfen und nur dem zu folgen, was nach oben zu dem Geistigen leitet, dazu gehört eine große Erkenntnis und Liebe zu Gott und eine große Aufopferungsfähigkeit.
Schon in Meiner Lehrzeit habe Ich euch Beispiele vor die Augen geführt, wo, sobald Ich jemandem der Mir nachfolgen wollte, die Aufopferung alles, was ihm lieb war und von Wert was er besaß anriet, er traurig von dannen ging, und so wird es euch auch noch oft ergehen, sobald ihr den vermeintlichen Anhänger Meiner Lehre zur Tat anspornen wollt, er statt euch zu folgen, sich von euch abwenden und vielleicht sogar statt euer Freund, später euer größter Gegner wird.
Seht, das sind die Folgen, wenn Menschen noch unreif zur Auffassung Meiner Lehre sind, und man sie gerne dazu überreden möchte. Daher wartet, bis die Hungrigen selbst zu euch kommen, dann gebt ihnen Brot, aber auch dann nur nach Maßgabe ihrer Verdauungskraft, ihres Verständnisses, weil es sonst wie eine schwere oder unverdauliche materielle Speise statt zu nützen nur schaden würde. Es ist auch nicht so leicht anderen beizubringen wie Meine Stimme zu hören und Meine Lehre zu befolgen ist; selbst ihr, die ihr schon so lange von Mir geführt und genährt werdet, wie schwach und kurzsichtig benehmt ihr euch manchmal, wie oft wollt ihr in eurem törichten Wahn das Weltliche mit dem Geistigen verbinden, weil das letztere allein zu befolgen euch zu viel Mühe kostet oder zu viel Entsagung von euch fordert. Wenn nun ihr noch so verfahrt, was wollt ihr von anderen erwarten, die kaum noch an der Tür angelangt sind und noch nicht den Mut haben die Schwelle überschreitend vorwärts zu gehen und alles zurück zu lassen woran früher ihr Herz hing, daher seid vorsichtig bei der Wahl eurer Freunde.
Jesus Wiederkunft und Kampf der Gegensätze
Je mehr die Zeit fortschreitet und sich Meine Schafe überall mehren werden, desto weniger kann diese Meine Lehre unbekannt bleiben, desto größer wird aber auch der Widerstand gegen sie und ihre Anhänger von der gegnerischen, weltlichen Seite werden. Bekümmert euch nicht um die Widersacher! Der Kampf muss entglimmen! Nur die Beharrlichen werden siegen und Meine Kinder werden, indem sie Meiner Stimme und Meiner Lehre nicht allein glauben sondern sie auch befolgen weil sie erkennen, dass nur dies zum Ziel führt, und nur Ich die Tür und der einzige Weg bin, um in das unendliche Reich des Geistes zu gelangen, dort auch reichlich mit Seligkeiten für die ausgestandenen Kämpfe belohnt werden.
So entwickelt sich der Lebensprozess, der das Geistige von der Materie befreit und das Seelische des Menschen vom Weltlichen trennt was des Menschen eigentliche geistige Bestimmung ist wie es auch der Zweck Meines einstigen Erdenwandels war, und der Mensch findet darin den Abschluss seiner Leiden und Kämpfe für Mich und Meine Lehre sowie seine Vergeltung.
Die Materie ist zu dicht, sie lässt kein Licht durch; nur Geistiges ist fähig zur Aufnahme Meines Liebelichts aus den Himmeln, und nur dieses Licht entwickelt Lebenswärme, erweckt und entwickelt den in die menschliche Seele gelegten göttlichen Funken, den Geist, und dieser führt die Seele zu ihrem Urquell, zu Mir zurück, und dazu soll Meine Lehre, Meine einstige Darniederkunft ins Fleisch und Mein Wiederkommen in baldiger Zukunft dienen.
Je näher Meine Wiederkunft heranrückt, desto größer werden die Gegensätze, und desto mehr werden Licht und Finsternis sich bekämpfen. Allein, wie an jedem Morgen die aufgehende Sonne die finstere Nacht besiegt, so wird auch Mein aufgehendes Liebelicht die Diebe und Mörder verscheuchen die gerne die Nacht für ihr Handwerk erwählen; sie werden weichen und sich bekehren oder in ewige Finsternis zurückkehren müssen, bis in ihrem Gemüt durch eigenes Wollen das Dämmerlicht nach und nach anbrechen wird.
Die Welt wird sich Meinen Plänen und Absichten widersetzen wollen wie sie es auch früher getan hat, aber ihr Widerstand wird Meinen Endzweck nur beschleunigen helfen, und am Ende werden doch nur Ich und Meine Kinder das Feld behaupten.
Verhaltensregeln für die Jetztzeit
Beharrlichkeit führt zum Ziel! Der Name, Mein Kind zu heißen, muss mit Entsagung und Aufopferung errungen werden, der Preis ist des Kampfes wohl wert!
Daher lasst die Welt und die Menschen, kümmert euch nicht um die Weltereignisse und die politischen Verwicklungen sondern kümmert euch nur darum, dass ihr Mich nicht verliert. Es sind Millionen von Menschen, die zur rechten Tür des Lichts geführt werden sollen, und es müssen ebenso viele verschiedene Ereignisse und Umstände einwirken, um diese auf verschiedenen Graden der Intelligenz stehenden Menschen zu einem gemeinsamen Ziel zu führen, eine Arbeit, von der ihr keinen Begriff haben könnt und die nur einem Gott angemessen ist, Der wieder wie überall durch das Kleinste die größten Resultate zu erreichen imstande ist.
Soviel zum besseren Verständnis dieses Evangeliums des Johannes, wie es sich jetzt entwickelt und wie es jetzt verstanden werden soll, damit ihr in dieser Zeit Meine einstige Lehrzeit erst recht begreifen lernt und daraus erkennt, wie schon vor fast zweitausend Jahren die ganze spätere Entwicklungsgeschichte der Menschheit in den Vorkommnissen während Meines Lebens und Wandels auf dieser finsteren Erde vorgezeichnet und bestimmt war.
Eben deswegen blieb auch die Bibel erhalten, damit sie euch den größten und stärksten Beweis geben soll wie dort schon längst alles aufgezeichnet war was in späteren Zeiträumen sich stufenweise entwickeln wird, aber nur dem Wiedergeborenen, den mit geistigen Augen Sehenden, deutlich wie ein Zukunftsspiegel vorleuchtet.
So mögt ihr getrost den Blick zu Mir richten und Meiner Worte eingedenk sein: Wer Mich nicht verlässt, den verlasse auch Ich nicht.
Bleibt bei Mir, und ihr werdet stets mehr und besser die Stimme des Hirten vernehmen und verstehen, und werdet infolge dessen immer mehr durch Wort und Beispiel beitragen können, auch anderen Blinden diesen einzigen Weg des Heils zu zeigen, damit am Ende nur ein Hirte und eine Herde sei. Amen.
Weiterführendes hierzu s.a. in Schöpfungsgeheimnisse, Kapitel 21, Verse 50-52 (S.162)